Fledermäuse: Arten, Gefährdung, Schutz

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nightjar
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Fledermäuse: Arten, Gefährdung, Schutz

Beitrag von nightjar » Fr 5. Dez 2008, 23:17

Die Fledermäuse in unserem Gebiet sind hauptsächlich nachtaktive, insektenfressende und flugfähige Säuger, die sich mittels Ultraschall orientieren. Diese Orientierungslaute können über den Mund oder durch die Nasenöffnungen abgegeben werden. Mit Ultraschalldetektoren (Bat-Detektor) können diese Laute für den Menschen hörbar gemacht werden. An ihnen kann man die einzelnen Arten unterscheiden. Die Soziallaute im Sommerquartier (Wochenstube) sind auch für das menschliche Gehör wahrnehmbar. Alle bei uns vorkommenden Arten stehen unter Naturschutz, sie sind hochgradig vom Aussterben bedroht, da einerseits die Nahrungsgrundlagen durch Insektizide vernichtet werden. Andererseits gehen Sommerquartiere durch Renovierungsmassnahmen an Gebäuden (durch Wärmedämmung werden die Einflugmöglichkeiten bei Dachstühlen verhindert) verloren und in den Wintermonaten kommt die Störanfälligkeit beim Winterschlaf hinzu. Während des Winterschlafes reduzieren die Fledermäuse ihren Puls und ihre Atmung auf ein sehr niedriges Niveau. Durch die im Herbst erhöhte Nahrungsaufnahme können Fettreserven ins Körpergewebe eingebaut werden. Diese Fettmenge reicht für den störungsfreien Winterschlaf. Bei mehrmaligen Störungen im Winter durch einen "Alarmstart" kann die Energiereserve nicht ausreichend sein und die Tiere verhungern.

Sommerquartiere auf Dachstühlen (z.B. bei Lostplaces) kann man u.a. daran erkennen, dass Gewölle (= Speiballen, unverdauliche Chitinteile der Insektennahrung werden wieder ausgewürgt) am Boden findet. Diese sehen ähnlich wie Mäusekot aus, beim Zerbröseln finden sich aber glänzende Chitinteile. Ein weiterer Hinweis können abgebissene Schmetterlingsflügel am Boden sein.

Im Winterquartier hängen die Tiere oft artspezifisch an unterschiedlichen Plätzen. Dies kann z.B. freihängend an einer Decke sein oder versteckt in engen Spalten. Schlafende Tiere sind im Winter oftmals von einer Reifschicht bedeckt. Diese ist hilfreich, damit der Körper nicht austrocknet.

Hilfe kann jeder leisten. Sei es im eigenen Garten durch Verzicht von Insektiziden oder bei Renovierungs- bzw. Sanierungsarbeiten auf die Erhaltung von Einflugmöglichkeiten ins Gebäude (spezielle Fledermausdachziegel), bei Schädlingsbefall der Dachbalken Verzicht auf die chemische Keule. Besser ist die Heißluftbehandlung. Insgesamt sollten Störungen der Sommer- und Winterquartiere unterbleiben.

Einen groben Überblick, der bei uns vorkommenden Arten soll die nachfolgende Liste bringen. Einige Arten mit nur sehr kleinem Verbreitungsgebiet oder Unterarten wurden nicht mit aufgelistet. Weitere Informationen finden sich hier. Dort auch die Weiterverlinkung zu den einzelnen Arten.

Kleinhufeisennase
Verbreitung: Europa, in Norddeutschland fehlend, in GB nur im Südwesten, Irland im Westen, auch in Vorderasien und Nord- und Ostafrika
Lebensraum: teilweise bewaldetes Gelände, Winterquartier in Höhlen, Kellern oder Ruinen, Sommerquartier in Gebäuden, selten in Höhlen, im Gebirge bis 2000 m. Wanderungen: bis zu 150 km

Großhufeisennase
Verbreitung: Spanien, Frankreich, Italien bis Griechenland, in Deutschland nur an einzelnen klimatisch günstigen Plätzen, auch in Nordafrika und Asien bis China und Japan
Lebensraum: teilweise bewaldetes Gelände, Winterquartier in Höhlen, Kellern oder Ruinen, Sommerquartier in Gebäuden, selten in Höhlen. im Gebirge bis 2000 m.

Wasserfledermaus
Verbreitung: Europa, südliche Teile von Norwegen, Schweden, Finnland bis Russland, südlich von Poebene (Italien) und Ungarn fehlend.
Lebensraum: wasserreiche Waldgebiete, Sommerquartier in Baumhöhlen und in der Nähe von Gewässern, oft in Mauerlöchern unter Brücken, Winterquartier in Höhlen, Stollen, Kellern. im Gebirge bis 1300 m

Teichfledermaus
Verbreitung: Norddeutschland ostwärts bis Russland, bis Ungarn
Lebensraum: gewässerreiche Waldgebiete, Sommerquartier in Baumhöhlen, teilweise in Gebäuden, Winterquartiere in Stollen, Höhlen. im Gebirge bis 900 m

Bartfledermaus (Große Bartfledermaus, Kleine Bartfledermaus)
Verbreitung: Kl.B.: flächendeckend in Europa, in Südspanien fehlend, Norwegen und Schweden nur im Küstenbereich, ostwärts bis Japan. Gr.B.: norddeutsche Tiefebene, südliches England, genauere Verbreitung unbekannt
Lebensraum: bewaldetes Gelände, Sommerquartier in Baumhöhlen und Gebäuden, Winterquartier in Höhlen und Kellern. Kl.B. im Gebirge bis 1800 m.

Wimperfledermaus
Verbreitung: Südeuropa ohne Spanien, in Deutschland nur sporadisch
Lebensraum: Sommerquartier in Baumhöhlen und Gebäuden, Winterquartier in Höhlen, Stollen, Kellern. im Gebirge bis 900 m.

Fransenfledermaus
Verbreitung: ganz Europa, in Schweden und Finnland nur Küstenbereich, Südosteuropa und Griechenland fehlend, ostwärts bis Japan
Lebensraum: Offenes Wälder und Parks, Sommerquartier in Baumhöhlen, Gebäuden, Felsspalten, auch Nistkästen, Winterquartier in Höhlen, Stollen, Kellern. im Gebirge bis 2000 m.

Bechsteinfledermaus
Verbreitung: östliche Teile Frankreichs, Norditalien, Deutschland südostwärts bis östliches Mittelmeer, Adriaanrainer und Griechenland fehlend. In Deutschland wahrscheinlich ausgestorben.
Lebensraum: Laubwälder, Sommer- / Winterquartier in Baumhöhlen und Nistkästen, im Winter auch Höhlen. im Gebirge bis 900 m.

Mausohr
Verbreitung: Europa ohne Großbritannien und Skandinavien, ostwärts bis Kleinasien und Israel.
Lebensraum: offenes Gelände, auch menschliche Siedlungen, Sommerquartier in Dachstühlen und Kirchtürmen, Winterquartier in Höhlen und Kellern. im Gebirge bis 1700 m.

Abendsegler
Verbreitung: Europa ohne Schottland, Irland, Schweden nur südlicher Bereich, bis nach Asien. Wanderungen bis 1600 km
Lebensraum: Wälder, Sommer- / Winterquartier in Baumhöhlen, auch Mauerspalten an Gebäuden, selten in Höhlen. im Gebirge bis 1200 m. fliegt bereits am späten Nachmittag.

Breitflügelfledermaus
Verbreitung: Europa ohne Skandinavien ostwärts bis Korea.
Lebensraum: lichte Wälder, auch in größeren Städten. Sommerquartier auf Dachböden unter Firstziegeln und Mauerspalten, Winterquartier in Baumhöhlen und Gebäuden, selten in Höhlen.

Nordfledermaus
Verbreitung: Skandinavien bis Polarkreis, Alpengebiet
Lebensraum: Waldgebiete, auch in Dorfnähe und Almen. Sommerquartier in Gebäuden, selten in Baumhöhlen, Winterquartier in Gebäuden und Höhlen. im Gebirge teilweise über 2000 m.

Zweifarbfledermaus
Verbreitung: vom Alpenraum bis Rügen, ostwärts bis Asien, punktuell im Rhonebereich, Irrgast an der Nordseeküste
Lebensraum: Bergwaldgegenden, auch in größeren Städten, Sommerquartier in Gebäuden (hinter Fensterläden), Winterquartier in tiefen Höhlen und Kellern. im Gebirge bis 2000 m.

Zwergfledermaus
Verbreitung: ganz Europa, Skandinavien nur südlichste Bereiche, auch Nordafrika und Zentralasien.
Lebensraum: Wälder, offenes Gelände, Parkanlagen, Siedlungen. Sommerquartier in Baumhöhlen, an Gebäuden (schmale Ritzen bei Rollokasten, bei Flachdächern zwischen Mauerwerk und Blechabdeckung), Nistkästen, Winterquartier Baumhöhlen, Gebäuden, Höhlen und Stollen. Verursacht im Herbst oftmals Presseartikel "Fledermausschwarm in Wohnung eingeflogen", Wanderungen über 1000 km

Rauhhautfledermaus
Verbreitung: in West- und Südwesteuropa nur lokal vorkommend
Lebensraum: offene Landschaft, Laub- und Mischwälder. Sommer- / Winterquartier in Baumhöhlen,Nistkästen, Felsspalten, im Winter manchmal in Höhlen und Kellern. Wanderungen u.a. von Schleswig-Holstein bis Camarque. im Gebirge bis 1800 m.

Braunes Langohr
Verbreitung: Europa ohne Iberien und nördliche Bereiche Skandinaviens ostwärts bis Japan
Lebensraum: Wälder, Sommerquartier in Baumhöhlen, Nistkästen, Winterquartier in Höhlen, Stollen, Kellern. im Gebirge bis 1800 m

Graues Langohr
Verbreitung: in Norddeutschland fehlend, dafür Iberien
Lebensraum: offenes Kulturland, menschliche Siedlungen, Sommerquartier in und an Gebäuden, Winterquartier in Höhlen, Stollen, Kellern.

Mopsfledermaus
Verbreitung: Frankreich ostwärts bis Kaukasus, Mittelitalien, ohne Griechenland, Iberien
Lebensraum: waldige, bergige Gegend. Sommerquartier in Baumhöhlen und an Gebäuden, Winterquartier in Höhlen und Berkwerksstollen, Kellern.

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Biggi_H
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Re: Fledermäuse: Arten, Gefährdung, Schutz

Beitrag von Biggi_H » Sa 6. Dez 2008, 10:32

Danke für die interessanten Infos

... sollte bei allen Höhlencaches verlinkt werden.

Gruß Biggi
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TKKR
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Re: Fledermäuse: Arten, Gefährdung, Schutz

Beitrag von TKKR » Di 20. Okt 2009, 23:07

Beim Thema Fledermaus habe ich immer noch Informationsbedarf. Wann sind denn nun die Schutzzeiten für Fledermäuse. Das scheint ja regional sehr unterschiedlich zu sein. Auf der Schwäbischen Alb ist an den mir bekannten Höhlen bis auf wenige Ausnahmen der 15. November - 15. April angegeben.
Vielleicht können wir hier eine Auflistung für alle Bundesländer aufstellen. Auf die Richtigkeit wird zwar niemand Gewähr geben können, aber man hat wenigstens einen Überblick.

Alternative wäre natürlich, dass Jemand einen Link zu einer passenden Seite hat.

Danke
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nightjar
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Re: Fledermäuse: Arten, Gefährdung, Schutz

Beitrag von nightjar » Mi 21. Okt 2009, 01:39

Genaue Daten kann ich Dir nicht liefern, da diese je nach Art und nach geographischer Lage unterschiedlich sein dürften. Aber vielleicht hilft diese Broschüre ein wenig weiter: Link.
Auf Seite 9 ist ein grober Jahreszyklus abgebildet.

TKKR
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Re: Fledermäuse: Arten, Gefährdung, Schutz

Beitrag von TKKR » Mi 21. Okt 2009, 07:15

Nette Druckschrift. Informativ ohne überladen zu sein.

Aber der Jahreszyklus ist mir in dieser Form schon bekannt. Da aber so oft auf 'gesetzliche Bestimmungen' oder Ähnliches zur Winterruhe hingewiesen wird, sollten die Zeiten doch irgendwie, irgendwo verbindlich geregelt sein.
Für meine Umgebung kenne ich, wie gesagt, die Regelungen. Aber wie sieht es im Rest der Republik aus?

Waybefore
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Re: Fledermäuse: Arten, Gefährdung, Schutz

Beitrag von Waybefore » Mo 4. Jun 2012, 19:18

Tolle Infos zusammengefasst. Nützlich sind sie auf jeden Fall. Ein herzliches Danke dafür :)
Rechtschreibfehler könnt ihr behalten ;)

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