Klettercaches und Eigensicherung

Terrain 5 vom Abseilen bis zum Tauchen

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Night-Fly
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Re: Klettercaches und Eigensicherung

Beitrag von Night-Fly » Di 20. Okt 2009, 12:03

na dann ist wohl meine eigene PSA unvollständig...
ein kambiumschoner gehört nicht zu meiner ausrüstung... ganz ehrlich, wird er wohl auch nie!
bei einigen wenigen bäumen ist der einbau sicher zügig und ohne großen aufwand möglich. bei der großen mehrheit der cache-bäumen meiner meinung nach jedoch nicht. da wild campen verboten ist und ich nicht vor habe 3 tage am stamm im zelt zu schlafen bis ich ein umlaufendes seil-system möglichst baumschonend eingebaut habe (darauf läuft es doch hinaus?), geh ich ganz entspannd am gummiseil hoch und freu mich über einen weiteren cache.
ich lese auch immer wieder, dass es unnötig kraftaufreibend sei am dynamikseil aufzusteigen, beim umlaufenden seil ist es das nicht? wenn ich richtig rechne muss ich 50cm seil bewegen um 25cm aufzusteigen...
bei längeren baumarbeiten und der nötigen bewegungsfreiheit in der krone geh ich mit und würde wohl auch einen kambiumschoner einbauen, allein um die reibung zu verkleinern.
ganz sicher jedoch nicht um nur mal kurz einen baum hoch zu kommen.

jeder klettercache ohne ausrüstung fügt den bäumen wesendlich größere schäden zu als die seile eines kletterers... und ich kann hier mehrere erschreckende beispiele nennen! abgeknickte äßte, zerstörte baumrinde, ... die liste ist laaaaaaaaaaaaaaang.

sicher mag es sein, dass ein seil das kambium schädigen kann, aber die klettercaches sind ja nun auch nicht mit einem TB-Hotel an der autobahn zu vergleichen wo die frequenz entsprechend hoch ist. eine umweltbelastung hält sich also meiner meinung nach stark in grenzen.

was die schäden im baum betrifft, so richtet JEDER sturm oder specht einen größerem schaden am baum/im Wald an, als ich mit meinem seil...
jetzt kommt sicher gleich das argument, wenn man aber nicht diesen baum beklettern würde...
tja, hätte der hund hind nicht ..., dann hätte er den hasen gehabt.
wir könnten nun auch über die auswirkungen von wintersport in bergregionen diskutieren oder über den tauchsport in bedrohten wasserwelten. aber das wollen wir sicher nicht.

wer gern einen kambiumschoner einbauen will, soll es gern tun und ist herzlichst dazu eingeladen. dann geht aber bitte auch zukünftig zu allen caches zu fuß. die paar kg CO2 was das eigene auto in die luft drückt ist nämlich auch baumschädigend...

auch wenn es dich stören mag tosa, ich trenne dies. ob ich deswegen nicht auf bäume gehören hat zum glück ja niemand hier zu entscheiden. deine sichtweise und einstellung ist sicher nicht falsch und ich kann sie sogar in vielen punkten mit tragen. meinen standpunkt werde ich deswegen aber nicht ändern.

es gibt länder da werden täglich ganze regenwälder berodet und der kleine kletterer der am seil einen baum besteigt richtet maßgeblich große schäden in wald und flur an... sorry, diese diskussion über baumschützende maßnahmen hier unter dem deckmantel der eigensicherheit zu führen ist doch ne farce...
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Re: Klettercaches und Eigensicherung

Beitrag von Lakritz » Di 20. Okt 2009, 12:19

Night-Fly hat geschrieben:[...] sorry, diese diskussion über baumschützende maßnahmen hier unter dem deckmantel der eigensicherheit zu führen ist doch ne farce...

Muss man nicht unbedingt so sehen. Wenn ein zehnköpfiges FTF-Rudel (und das gibt es in unserer Gegend häufig) von Ehrenkodexcachern an einem Dynamikseil ohne Kambi geerstfunden hat und danach die hübsch aufgescheuerte Astgabel den normalen Witterungsbedingungen ausgesetzt ist, kann man bei ungünstigen Bedingungen schon nach einem halben Jahr befürchten, dass die ganze tolle PSA nix nützt, weil ein Pilz die Statik beeinträchtigt. Ein Kind kann da vielleicht noch hoch, aber ein Erwachsener, der sich ins Zeug legt, gerät da schnell in Gefahr.

(Um's mal drastisch gesagt zu haben.)
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workfor
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Re: Klettercaches und Eigensicherung

Beitrag von workfor » Di 20. Okt 2009, 12:34

Kann Lakritz nur zustimmen.

Nur weil der Regenwald gerodet wird, sollten wir nicht die Augen verschließen.
Und ganz sicher ist das keine Farce.
Wenn sich GC weiter entwickelt, wie bisher ist so ein Verhalten nicht zielführend. Schade um die Bäume und schade um das Unveständnis hinsichtlich Sichrheit.
Aber es wird immer die Unbelehrbaren geben, die ihre eigenen Gesetze machen, weil sie so schön bequem sind.

Und einen Kambiumschoner einzubauen, braucht man wenig Zeit - es sei denn, man beherrscht es nicht.

Und Night-Fly, vielleicht hast Du die Physik des Aufstiegs nicht verstanden?
Es geht nicht darum, dass ein Kletterer mal ein umgelenktes und mal ein direktes System benutzt, sondern um die Dehnung im Seil und die Vernichtung der Arbeit des Kletterers durch diese Dehnung. Ansonsten ist der Aufstieg gleich schwer, da der Kletterer die gleiche Energie benötigt (siehe Energierhaltungsatz, den Wikilink erspare ich mir).
Nun könntest du einwenden, das bei einem umgelenktem System die Reibung erhöht ist. Ja stimmt, aber nur geringfügig, was durch den kräfteschonenderen Einsatz (kleine Kraft eine längere Zeit) für den Kletterer angenehmer ist.

Wie stark Dehnung Energie vernichten kannst, wird Dir eutlich durch das Rigging gezeigt. Hier werden schwere Baumteile beim SKT-Fällen in das Seil fallen gelassen und die Dehnung nimmt einen Großteil der Energie auf und wandelt sie in Wärme um. Wenn Du ein paar Berechnungen anstellen würdest, bist Du sicher über die großen Energiemengen überrascht.

cu Tom ;)

Die Ignoranz bleibt nicht hinter der Wissenschaft zurück. Sie wächst genauso atemberaubend wie diese. (Norbert Blüm)

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Re: Klettercaches und Eigensicherung

Beitrag von coronar » Fr 27. Nov 2009, 14:48

Ich hab mich zuletzt mal mit Ropewalking am umlaufenden Seil beschäftigt und war ob der Geschwindigkeit und des geringen Kraftwaufwandes begeistert. Das gaht ja nur mit Kambiumschoner (ansonsten säge ich den Ast ab an dem ich hänge und der Kraftvorteil ist weg). Das Einbauen eines Kambiumschoners geht auch recht gut, wenn die Astgabel nicht zu steil ist. Tolle Sache, wenn ich denn einen Ast isolieren kann.

Andernfalls kommt ein Kambiumschoner gar nicht infrage. Daher ist die Diskussion einfach absurd, da verschiedene Situationen verschiedene Lösungen erfordern. Nebenbei bemerkt habe ich noch nicht erlebt, dass das Federn des Dynamikseils zum Scheuern in der Astgabel geführt hat. Aber vielleicht hatte ich ja nur Glück.

Es hilft auch, sich die richtige Baumart auszusuchen, um eine Dose zu legen. Birken sind nicht unbedingt geeignet... Bei einer Eiche dagegen habe ich noch keine Probleme mit abgescheuerter Rinde erlebt.

Das Knebeln des Seils um den isolierten Ast schont den Baum genauso wie ein Kambiumschoner, verdoppelt aber nicht die Länge der dynamischen Lastverluststrecke wie ein Kambiumschoner. Nur so als Vorschlag, wenn man denn ohne umlaufendes Seil klettern will.
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Re: Klettercaches und Eigensicherung

Beitrag von workfor » Sa 28. Nov 2009, 12:10

coronar hat geschrieben:Das Knebeln des Seils um den isolierten Ast schont den Baum genauso wie ein Kambiumschoner, verdoppelt aber nicht die Länge der dynamischen Lastverluststrecke wie ein Kambiumschoner. Nur so als Vorschlag, wenn man denn ohne umlaufendes Seil klettern will.


Wohl wahr...

Die Eichen sind sicher am wenigsten gefährdet (vom Kambium her).
Bei Buchen sieht es nicht so gut aus, die Dinger sind ziemlich verletzlich.
Ich denke auch, dass beim Knebeln direkt am Ast nix passieren kann.

cu Tom ;)

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Re: Klettercaches und Eigensicherung

Beitrag von Mika Mifizu » Mo 4. Jan 2010, 23:18

Auch wenn wir jetzt mittlerweile von der "Eigensicherung" beim Seileinbau mit Kambiumschoner angekommen sind - eine Frage an die Experten:

In den meisten Fällen fliegt der Wurfsack einmal quer durch den Baum - unabhängig von Wurftechnik oder -gerätschaft.

Jede Anleitung zum Einbau eines K-Schoners setzt voraus, dass ich in der langen Pilot-Leinen-Schlaufe genau exakt einen Ast drin habe. Was also mache ich, wenn der Wurfsack von mir aus gesehen auf der anderen Seite des Baumes hinterm Stamm liegt, und dadurch mehrere Äste in dieser gedachten Schlaufe enthalten sind?

Danke
Mika

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Re: Klettercaches und Eigensicherung

Beitrag von adorfer » Mo 4. Jan 2010, 23:28

tosa hat geschrieben: Ich denke auch, dass beim Knebeln direkt am Ast nix passieren kann.
Da hat man nur ein Problem, wenn ein wenig erfahrener Kletterer zu weit hochsteigt und dann die Handsteigklemme (oder noch schlimmer) den Croll nicht mehr ausgebaut bekommt. Da kann man dann von unten nix ablassen. Da muss der Kletterer sich erstmal einen Standbauen und erst dann kann man schauen, wie man den Knoten der Würgeschlinge aufgefriemelt bekommt.

Und man verliert natürlich Aufstiegshöhe, wiel man nur noch bis knapp unter den Ast kann und nicht mehr "bis knapp zur Hälfte". Gerade bei dicken Ästen und "Dose am Stamm daneben" problematisch (wieder siehe "Anfänger dabei").
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Re: Klettercaches und Eigensicherung

Beitrag von adorfer » Mo 4. Jan 2010, 23:34

Mika Mifizu hat geschrieben:Was also mache ich, wenn der Wurfsack von mir aus gesehen auf der anderen Seite des Baumes hinterm Stamm liegt, und dadurch mehrere Äste in dieser gedachten Schlaufe enthalten sind?
Sack zurückziehen bis er direkt am Einbindeast hängt.
Und beim Ablassen dann geschickt pendeln, dass nicht noch "weiter unten" Äste mit umschlossen werden.

Soviel zur Theorie... Wenn man eine Eiche in einem lockeren Laubwald hat, dann ist alle Theorie grau... gestern habe ich bei der Gelegenheit zwei Wurfsäcke und einen Tennisball "versenkt". Ein Säckchen ließ sich später noch retten. Aber ohne zweite Pilotschnur und dem Einsatz eines Stahlkarabiners als Not-Wurfgewicht, wäre auch das nicht geglückt.
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Re: Klettercaches und Eigensicherung

Beitrag von carhu » Mo 4. Jan 2010, 23:53

-jha- hat geschrieben:Sack zurückziehen bis er direkt am Einbindeast hängt.
Dann ablassen (der Teil "hinterm Stamm" liegt ja nun quasi optimal) und damit eine zweite Pilotleine mit zweitem Wurfsack einbauen.
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Re: Klettercaches und Eigensicherung

Beitrag von workfor » Di 5. Jan 2010, 00:04

Ich hab seit zwei Jahren immer noch keinen Wurfsack dauerhaft versenkt... (nur zweimal fest gewesen).

Wie oben schon gesagt, Sack hochziehen bis Ast und durch pendeln richtig ablassen. Falls pendeln nicht klappt, am anderen Ende der Pilotleine einen zweiten Wurfsack anbinden und den hochziehen und damit versuchen (jetzt ist die Konstellation ja genau anders herum).

Oder auch: Falschen Ast daneben getroffen - dann Sack bis kurz vor den Ast ziehen und mit richtig Schwung rum - Sack fliegt über den parallelen Ast (oder den Ast etwas tiefer daneben - man schafft auch leicht höhere Äste) und dann weiter.

Alles eine Frage der Übung.

cu Tom ;)

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