TV-Tipp: Wieviel Jagd brauchen wir?

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Re: TV-Tipp: Wieviel Jagd brauchen wir?

Beitrag von eifriger Leser » Di 9. Dez 2014, 20:10

Jaga hat geschrieben:Mir ist da zu viel Ideologie im Spiel: Legt der Förster Wildwiesen an, weil er das Wild gerade im Winter aus dem Wald herausghalten will, ist es phantastisch.
Und warum will man es den Jägern verbieten? Muss doch ein (vermeintliches) Argument dafür sprechen, oder?
Jaga hat geschrieben:Außerdem verstehe ich nicht, was der Vorwurf der Privilgien soll. Welche Privilegien?
Wieso Vorwurf? Privilegien sind besondere Rechte die eine Gruppe hat. Die Jäger dürfen z.B. Waffen besitzen, damit 365 Tage im Jahr auf (Wild-)Tiere schießen und das Fleisch vermarkten, Hochsitze bauen, mit dem Auto durch den Wald kurven, etc. Die Jagdprivilegien sind ja nicht - mehr :roll: - Gottgegeben und wenn eine Mehrheit will dass nicht mehr auf Haustiere geschossen wird, die Jagdzeiten eingeschränkt werden, usw. dann gibt es halt irgendwann eine entsprechende Gesetzesnovelle.
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Re: TV-Tipp: Wieviel Jagd brauchen wir?

Beitrag von Jaga » Di 9. Dez 2014, 20:44

eifriger Leser hat geschrieben:Und warum will man es den Jägern verbieten? Muss doch ein (vermeintliches) Argument dafür sprechen, oder?
Einfache Antwort: Weil man ein Feinbild braucht. Wildwiesen sind ja nur ein Beispiel, aber zur Erklärung: Sie dienen - wie auch der Zwischenfruchtanbau auf den Äckern - dazu, dem Wild Nahrung und Deckung zu bieten, gerade im Herbst und im Winter, wenn alles abgeerntet ist. Nebenbei fördern sie heimische Pflanzenarten, die sonst keinen Platz finden, weil Wildwiesen eben nicht bewirtschaftet, sondern - von einer Teil-Mahd alle zwei Jahre im Herbst abgesehen - sich selbst überlassen bleiben. Das Wild findet im Winter Nahrung, bleibt also von den Bäum weg. Die Wiesen sind gut für Bienen, weil das Gras hier blühen darf und nicht vor der Blüte für die Silage geerntet wird, und sie schützen mit ihrer Deckung Kleintiere wie Bilche oder Feldhasen oder auch Bodenbrüter wie die Weihe, ein Raubvogel, vor Räubern wie dem Fuchs. In Bayern werden Blühwiesen deshalb öffentlich gefördert. Ich will nicht unbescheiden klingen, aber irgendetwas machen die Bayern schon mal richtig. Während in NRW diese Wiesen verboten werden sollen, um den Jägern zu schaden. Klingt seltsam, ich weiß - es ist aber so. Stichwort Feinbild.
eifriger Leser hat geschrieben:Privilegien sind besondere Rechte die eine Gruppe hat. Die Jäger dürfen z.B. Waffen besitzen.
Richtig. Und ein Apotheker oder Arzt kommt relativ unkontrolliert an jedes noch so gefährliche Gift heran, ein Führerscheininhaber darf Tag und Nacht jedes PS-Monster auf öffentlichen Straßen fahren, ein TÜV-Ingenieur könnte eimerweise TÜV-Plaketten schwarz verscherbeln, tut dies aber nicht, genusowenig wie ein Notar Dir Deine Wohnung stiehlt, obwohl er das Privileg dazu hätte. Es gibt viele Rechte, die der Staat Menschen mit bestimmter Qualifikation einräumt. Immer sind sie mit der Kontrolle der persönlichen Zuverlässigkeit verbunden - mal mehr, mal weniger -, immer mit Pflichten, und immer wird der Staat diese Rechte widerrufen, wenn der Betroffene sie mißbraucht. Daran finde ich eigentlich nichts Beklagenswertes. Ich bin sicher, Du hast auch Rechte, die ich nicht habe. Ist das schlimm?

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Re: TV-Tipp: Wieviel Jagd brauchen wir?

Beitrag von eifriger Leser » Di 9. Dez 2014, 21:20

Jaga hat geschrieben:
eifriger Leser hat geschrieben:Und warum will man es den Jägern verbieten? Muss doch ein (vermeintliches) Argument dafür sprechen, oder?
Einfache Antwort: Weil man ein Feinbild braucht. Wildwiesen sind ja nur ein Beispiel, aber zur Erklärung: Sie dienen - wie auch der Zwischenfruchtanbau auf den Äckern - dazu, dem Wild Nahrung und Deckung zu bieten, gerade im Herbst und im Winter, wenn alles abgeerntet ist. Nebenbei fördern sie heimische Pflanzenarten, die sonst keinen Platz finden, weil Wildwiesen eben nicht bewirtschaftet, sondern - von einer Teil-Mahd alle zwei Jahre im Herbst abgesehen - sich selbst überlassen bleiben. Das Wild findet im Winter Nahrung, bleibt also von den Bäum weg. Die Wiesen sind gut für Bienen, weil das Gras hier blühen darf und nicht vor der Blüte für die Silage geerntet wird, und sie schützen mit ihrer Deckung Kleintiere wie Bilche oder Feldhasen oder auch Bodenbrüter wie die Weihe, ein Raubvogel, vor Räubern wie dem Fuchs. In Bayern werden Blühwiesen deshalb öffentlich gefördert. Ich will nicht unbescheiden klingen, aber irgendetwas machen die Bayern schon mal richtig. Während in NRW diese Wiesen verboten werden sollen, um den Jägern zu schaden. Klingt seltsam, ich weiß - es ist aber so. Stichwort Feinbild.
Du hast mir zwar erklärt was eine Wildwiese ist, aber nicht welche Argumente dafür sprechen könnten warum Jäger diese nicht anlegen sollten (im Gegensatz zum Förster/BUND/usw). Nur das Stichwort Feindbild kann´s wohl nicht sein, oder?
Jaga hat geschrieben:
eifriger Leser hat geschrieben:Privilegien sind besondere Rechte die eine Gruppe hat. Die Jäger dürfen z.B. Waffen besitzen.
Richtig. Und ein Apotheker oder Arzt kommt relativ unkontrolliert an jedes noch so gefährliche Gift heran, ein Führerscheininhaber darf Tag und Nacht jedes PS-Monster auf öffentlichen Straßen fahren, ein TÜV-Ingenieur könnte eimerweise TÜV-Plaketten schwarz verscherbeln, tut dies aber nicht, genusowenig wie ein Notar Dir Deine Wohnung stiehlt, obwohl er das Privileg dazu hätte. Es gibt viele Rechte, die der Staat Menschen mit bestimmter Qualifikation einräumt. Immer sind sie mit der Kontrolle der persönlichen Zuverlässigkeit verbunden - mal mehr, mal weniger -, immer mit Pflichten, und immer wird der Staat diese Rechte widerrufen, wenn der Betroffene sie mißbraucht. Daran finde ich eigentlich nichts Beklagenswertes. Ich bin sicher, Du hast auch Rechte, die ich nicht habe. Ist das schlimm?
Hab ich irgendwo gesagt, dass ich es schlimm finde? Ich wollte darauf Hinweisen, dass man halt nicht gerne Privilegien abgibt und sich (ofmals so lange wie möglich) dagegen wehrt auch wenn durchaus stichhaltige Argumente für die Beschneidungen derselben sprechen. Ich hab z.B. Mühe damit wenn Hunde und Katzen abgeschossen werden, oder Füchse um sie nachher in die Mülltonne zu kloppen.
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Re: TV-Tipp: Wieviel Jagd brauchen wir?

Beitrag von radioscout » Di 9. Dez 2014, 21:28

Jaga hat geschrieben: Wir sollten eher zusammenhalten und statt von imaginären Privilegien der jeweils anderen zu schwätzen.
+1

Wir sollten uns am Claim der StädteRegion Aachen orientieren: "Weil es gemeinsam besser geht".
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Wir hätten nie uns getraut doofe Dosen anzumelden schon aus Respekt vor diesem geheimnisvollen Spiel (Dosenfischer, Die goldenen Jahre)

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Re: TV-Tipp: Wieviel Jagd brauchen wir?

Beitrag von JackSkysegel » Di 9. Dez 2014, 21:59

Jaga hat geschrieben: Wir sollten eher zusammenhalten und statt von imaginären Privilegien der jeweils anderen zu schwätzen.
+2
Unechter Cacher (Tm)

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Re: TV-Tipp: Wieviel Jagd brauchen wir?

Beitrag von Jaga » Di 9. Dez 2014, 23:59

eifriger Leser hat geschrieben: Du hast mir zwar erklärt was eine Wildwiese ist, aber nicht welche Argumente dafür sprechen könnten warum Jäger diese nicht anlegen sollten (im Gegensatz zum Förster/BUND/usw). Nur das Stichwort Feindbild kann´s wohl nicht sein, oder?
Du erlebst mich ratlos. Ich weiß es einfach nicht. Es gibt keine Gründe für ein derartiges Verbot. Auch Herr Remmel, der Umweltminister, und seine grünen Genossen haben bislang keinen Grund nennen können. Das ist doch die Ursache für den beispielolsen Aufruhr derzeit in NRW. Es geht wahrlich nicht um verwilderte Katzen, sondern um eine endlose Reihe von Verboten, die letztlich der Natur schaden. Wenn zum Beispiel die Baujagd auf den Fuchs oder die Krähenjagd verboten wird, dann nimmt man den Jägern die Möglichkeit, in gefährdeten Gebieten Bodenbrüter zu schützen. Dann gibt es eben in bestimmten Regionen bald keine Feldhasen und keine Kleinsäuger mehr, weil deren Jungen nur eine gewisse Fuchsdichte vertragen (Feldhasen, auch Rehkitze brauchen rund 10 Tage, bis sie groß genug sind, dem Fuchs davonzulaufen. Gibt es zu unnatürlich viele Füchse, dann schaut alle paar Tage einer vorbei, und das war's dann). Rauhfußhühner sind streckenweise eh schon ausgestorben. Ist es das, was ein Umweltministerium leisten soll? Ich verstehe es einfach nicht, obwohl ich glaube, nicht wenig Hintergrundwissen zu haben. Ich kann mir diese Politik nur mit dem Feindbild Jäger erklären, auch wenn es seltsam und aus meinem Munde vielleicht auch unglaubwürdig klingen mag. Aber wenn Du bei BUND oder sonstwo aktiv bist, mach Dich schlau, lass Dir's erklären und erklär's dann mir. Vielleicht lerne ich die wahren Gründe sogar hier im Forum.

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Re: TV-Tipp: Wieviel Jagd brauchen wir?

Beitrag von Kalleson » Mi 10. Dez 2014, 08:24

Ach, Jaga.

Das wird mir jetzt wieder zu politisch. Ich habe nach "Verbotspartei" aufgehört weiterzulesen.

Dieses Grünenbashing seitens einiger Jäger geht mir dazu einfach zu sehr auf den Senkel.

Ich fand Marschkompasszahls Beitrag eigentlich ziemlich treffend. Und noch mal zur Intention des Threads an sich:

Ich wollte diese Sendung empfehlen, weil sie mir laut Vorbericht den Eindruck machte, das Thema Jagd und die damit einher gehenden Probleme zu beleuchten, ohne sich dabei zu sehr auf die Seite der Jäger oder Jagdgegner zu stellen.
Und das ist aus meiner Sicht für uns Geocacher ein empfehlenswertes Thema, weil es das Verständnis für die "anderen Naturnutzer" fördert und so vielleicht den ein oder anderen Konflikt zu verhindern hilft.
Denn ich möchte das Feld nicht den Hetzern der ein oder anderen Seite überlassen, die hier immer wieder propagieren, Ignoranz sei ein Weg zur Lösung von Konflikten. :stock1:
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Re: TV-Tipp: Wieviel Jagd brauchen wir?

Beitrag von Jaga » Mi 10. Dez 2014, 08:31

Richtig. Wir sind vom Thema abgekommen. Mea Culpa. :gott:

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Re: TV-Tipp: Wieviel Jagd brauchen wir?

Beitrag von eifriger Leser » Mi 10. Dez 2014, 13:10

Jaga hat geschrieben:Richtig. Wir sind vom Thema abgekommen. Mea Culpa. :gott:
Das "Problem" ist aus meiner Sicht als nicht das "vom Thema abkommen", sondern die fehlende Sachlichkeit. Bei vielen Themen könnte durchaus konstruktiv diskutiert und an den Kern von Konflikten gelangt werden würde man die Sachliche Ebene nicht verlassen.

Lesenswert zur geplanten Novellierung des Jagdgesetztes von NRW ist folgendes PDF, das auch Erhellendes zum Thema Wildäcker im Wald enthält. http://www.umwelt.nrw.de/naturschutz/pd ... gesetz.pdf
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Re: TV-Tipp: Wieviel Jagd brauchen wir?

Beitrag von Jaga » Mi 10. Dez 2014, 13:30

Da sind wir ganz schnell wieder beim Thema Sachlichkeit und Ideologie: Es stimmt eben NICHT, dass Wildäcker intensive Bearbeitung erfordern und sie nur teilweise den Wildtieren als Nahrungsquelle und Schutzraum zur Verfügung stehen. Wie kommen diese Leute dazu, derlei zu behaupten.

Topinambur zum Beispiel ist eine heimische, fast ausgerottete, mehrjährige Knollepflanze, die im Sommer und im Winter Deckung und Nahrung bietet. Im Sommer knabbert das Wild an der Grünpflanze, im Winter macht es sich an den reichlich vorhandenen Wurzelknollen zu schaffen und nutzt die Deckung des abgestorbenen Pflanzenteils. Drei, vier Reihen Topinambur, dazu heimische Wildpflanzen, etwas Klee als Stickstoff-Lieferant (ebenfalls heimisch, wenn notwendig - den Förster fragen), das alles an einer möglichst versteckten Lichtung im Wald, und schon haben wir eine okologisch wertvolle Wiese für jede Art von Wiltieren, die einmal im Jahr mit der Sense gestutzt werden sollte, aber das ganze Jahr über Nutzen bringt.

Ich will nicht polemisch werden, aber es geht mir schon der Hut hoch, wenn wie in den Merkblatt behauptet wird, derlei Einrichtungen würden intensive Arbeit erfordern und unerwünschtes Pflanzenwachstum fördern. Die Verfasser sind dieselben Leute, die umgekehrt die Verarmung der Landschaft und das Aussterben heimischer Pflanzenarten beklagen. Das ist reine Politik und hat mit Naturschutz nichts zu tun.

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