Der Fotograf, die Anzeige und der Geocacher

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Der Fotograf, die Anzeige und der Geocacher

Beitrag von Heimo » Mo 9. Nov 2015, 09:12

Schade, dass der Thread über den Fotografen, der einen Hirsch fotografierte und dafür eine Anzeige bekam schon geschlossen ist.

Die Sache hat nämlich einen engen Bezug zum Geocaching. Der § 19a des Bundesjagdgesetzes gilt bundesweit und richtet sich gegen alle die Wild stören könnten, also auch den Geocacher. Die Vorschrift schützt alle Wildarten, nicht nur die im Bestand bedrohten und verboten ist jede Art der Störung. Der geschütze Bereich sind die Zuflucht-, Nist-, Brut- oder Wohnstätten. Die Vorschrift untersagt dem Geocacher das Betreten bestimmter Gebiete und sie schafft eine Handhabe für die Jagdschutzberechtigten gegen den Geocacher. Von daher ist der Ausgang der o.a. Sache auch für Geocacher interessant.

Für den Fotografen wird es im Bezug auf den § 19a BJagdG wohl gut ausgehen, denn der Brunftplatz gehört nicht zu den durch § 19a BJagdG geschützten Gebieten. Ob er insgesamt davonkommt hängt von den Vorschriften zur Jagdstörung ab.

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Re: Der Fotograf, die Anzeige und der Geocacher

Beitrag von Zappo » Mo 9. Nov 2015, 09:28

Heimo hat geschrieben:Schade, dass der Thread über den Fotografen, der einen Hirsch fotografierte und dafür eine Anzeige bekam schon geschlossen ist…..
Nicht, daß sich in DEM Thread eine sinnvolle Diskussion abgezeichnet hätte. Schon die Überschrift war falsch - der Fotograph hat ja keine Anzeige bekommen, weil er nen Hirsch fotografiert hat, sondern wegen vermuteter Jagdstörung. Einen Hirsch zu fotographieren dürfte m.W. immer noch nicht strafbewehrt sein :)

Jagdstörung, Verhalten draussen und anderes kann man gerne diskutieren. Das betrifft alle PEWs* - also auch Geocacher.

Gruß Zappo

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Re: Der Fotograf, die Anzeige und der Geocacher

Beitrag von JackSkysegel » Mo 9. Nov 2015, 10:18

Auch ich finde es wichtig das sich Geocacher an bestimmte Regeln im Wald halten müssen. Eine Rücksichtnahme auf Flora und Fauna sollte da sowieso selbstverständlich sein.
Ich denke aber auch das es oft ziemlich schwierig sein kann zu erkennen ob man sich gerade in einem geschützten Bereich befindet.
Auf der sicheren Seite sollte man sein wenn man auf den Wegen bleibt, aber das ist ja schliesslich kein Zwang. Das Betreten von Waldflächen ist schliesslich auch abseits der Wege erlaubt.
Das eingefriedete und speziell ausgeschilderte Bereiche nicht betreten werden dürfen sollte jedem klar sein.
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Re: Der Fotograf, die Anzeige und der Geocacher

Beitrag von Heimo » Mo 9. Nov 2015, 11:33

Beim Fotografen ging es um Störung der Jagdausübung, bei dem in der Pressemitteilung genannten § 19a BJagdG geht es um Störung des Wildes. Wäre der Brunftplatz ein von § 19a BJagdG geschützter Bereich, lägen evtl. zwei Ordnungswidrigkeiten vor: Störung des Wildes und Störung der Jagdausübung.
Strafbewehrt ist weder das eine noch das andere, es geht jeweils um Ordnungswidrigkeiten. Das Fotografieren selbst ist nicht ordnungswidrig, die mit den Aufnahmen fast zwangsläufig verbunde Störung des Wildes schon - aber eben nur an den geschützen Orten.
Beim Geocaching kommt man eher mit dem § 19a BJagdG in Konflikt, als das man eine Jagdstörung begeht.
Die Aussage: "Das Betreten von Waldflächen ist schliesslich auch abseits der Wege erlaubt." kann man so allgemeingültig und einschränkungslos nicht mehr gelten lassen. Die zeitlichen und sachlichen Einschränkungen z.B. durch Landeswaldgesetze nehmen zu. Und bundesweit gibt es schon lange Beschränkungen beim Zweck und bei Gewerblichkeit.
Die vom § 19a BJagdG geschützten Bereiche sind in der Regel weder eingefriedet (sonst dürften sie auch nicht betreten werden) noch ausgeschildert (das Bekanntwerden des genauen Standorts bedrohter Arten ist schlecht für den Artenschutz).

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Re: Der Fotograf, die Anzeige und der Geocacher

Beitrag von JackSkysegel » Mo 9. Nov 2015, 11:37

Macht es aber auch schwierig die Ordnungswidrigkeit zu erkennen.
Aber ich gebe dir Recht, das Bekanntmachen der Standorte würde vermutlich zu noch mehr Störungen führen.
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Re: Der Fotograf, die Anzeige und der Geocacher

Beitrag von Zappo » Mo 9. Nov 2015, 12:34

Wobei ich mich nicht dran erinnern kann, die letzten Jahre beim Geocaching nennenswert irgendwelche Wege verlassen zu haben. Warum auch? 20 Meter hinter den nächsten Baum in Sichtweite des Weges bleibend sind da schon viel. Und der Trend zum "direkt am Wege Cachen" nimmt eh extrem zu.

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Re: Der Fotograf, die Anzeige und der Geocacher

Beitrag von skybeamer » Mo 9. Nov 2015, 13:04

Heimo hat geschrieben:Schade, dass der Thread über den Fotografen, der einen Hirsch fotografierte und dafür eine Anzeige bekam schon geschlossen ist.
Der Vollständigkeit halber, es geht um diesen Thread: https://geoclub.de/forum/viewtopic.php?f=109&t=77954

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Re: Der Fotograf, die Anzeige und der Geocacher

Beitrag von Fadenkreuz » Mo 9. Nov 2015, 15:14

Heimo hat geschrieben:Der § 19a des Bundesjagdgesetzes gilt bundesweit und richtet sich gegen alle die Wild stören könnten, also auch den Geocacher.
Nö, das ist eine fehlerhafte Auslegung der Rechtsvorschrift. Die Verbote sind zwar nur beispielhaft und nicht abschließend ("oder ähnliche Handlungen"), aber die Auflistung enthält ausschließlich solche Fälle, in denen sich jemand gezielt und vorsätzlich zu den Tieren begibt ("durch Aufsuchen, Fotografieren, Filmen"). Das betrifft den Geocacher gerade nicht.

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Re: Der Fotograf, die Anzeige und der Geocacher

Beitrag von Heimo » Mo 9. Nov 2015, 21:42

Der Geocacher begibt sich vorsätzlich an einen Ort, der Ort zählt zu den geschützen Orten. Der Geocacher nimmt den Erfolg seiner Handlung (Störung des Wildes) billigend in kauf. Das reicht für dolus eventualis.

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Re: Der Fotograf, die Anzeige und der Geocacher

Beitrag von JackSkysegel » Mo 9. Nov 2015, 22:10

Das halte ich für eine gewagte Aussage.
Der Geocacher kann unter Umständen das "Schützenswerte" an der Lokation gar nicht erkennen.
Das war es ja auch worauf ich hinaus wollte
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