Vermutlich Hundephobie

Allgemeiner Austausch zum Thema Geocaching.

Moderator: jmsanta

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radioscout
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Beitrag von radioscout » Do 14. Sep 2006, 17:56

familysearch hat geschrieben:Es ging mir eigentlich weniger um die ernsthaften Verletzungen durch Hunde. Von einem Hund krankenhausreif gebissen zu werden, ist doch wohl eher die Ausnahme. Die Hundebegegnungen sehen eher so aus:

Genau das ist das Problem. Wenn ein Hund schlecht erzogen ist und andere Leute belästigt, gehört er an die Leine.
Wie würde wohl ein Halter eines schlecht erzogenen Hundes reagieren, wenn man sich (wenn er ohne Hund unterwegs ist :lol:) vor ihn stellt, ihn abrüllt, an ihm hochspringt, ihn am weitergehen hindert usw.?
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dr_megavolt
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Beitrag von dr_megavolt » Do 14. Sep 2006, 18:30

Woher beziehst du diese Weisheit und wie oft ist "recht häufig"?


Von meinem Arbeitsplatz. Ich finds schon zu häufig. Ist nun mal leider so, daß v.a. Kinder aufgrund ihrer Größe gerne in das Gesicht gebissen werden, und dann wird schon einmal ein Augenlid heruntergerissen oder eine Backe oder ein Ohr. Wenn man dann die nächsten 70 Lebensjahre mit fürchterlichen Narben im Gesicht herumlaufen darf, dann frage ich mich schon, ob das wirklich so von der Gesellschaft akzeptiert werden sollte. Aber der arme Hund kann ja nichts dafür, der Halter natürlich auch nicht, und das Gesicht, naja, da kann man doch sicher später nochmal was machen, und überhaupt, an der Hundeindustrie hängen ja auch Arbeitsplätze. Als Erwachsener kriegt man eh nur in Arme, Gesäß oder Oberschenkel gebissen, aber dummerweise geht auch hier nicht alles glimpflich aus, denn die wenigsten Finger oder Genitalien überstehen einen Hundebiß wirklich unbeschadet.

Ich denke, 3-4 tödliche Beißunfälle pro Jahr sind 3-4 zuviel. Soviele Kinder werden im Jahr auch von Kinderschändern umgebracht, wenn wir schon bei doofen Vergleichen (Verkehrsunfälle vs. Hunde vs. Kometen etc) sind, aber keiner käme auf die Idee, das dann akzeptieren zu wollen.

Hier noch Zahlen zu Bißverletzungen allgemein (von wikipedia). Man darf davon ausgehen, daß die tatsächliche Zahl noch höher liegt, weil ja nicht alles amtlich gemeldet wird:

Im Jahr 2004 wurden in Nordrhein-Westfalen 859 Menschenbeißvorfälle (bei 462.315 Hunden in NRW) amtlich gemeldet. Damit wurde für 99,81% der Hunde kein Menschenbiss gemeldet, nur 0,19% waren diesbezüglich amtlich auffällig. Bei einer Gesamtzahl von 5.300.000 Hunden in Deutschland stellen die nordrhein-westfälischen Hunde 8,72% der deutschen Hundepopulation dar. Hochgerechnet ergeben sich 9.851 Menschenbeißvorfälle für Deutschland, wenn man gleichmäßige Beißhäufigkeit in allen Bundesländern unterstellt.

Ilsebilse
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Beitrag von Ilsebilse » Do 14. Sep 2006, 19:23

radioscout hat geschrieben:
familysearch hat geschrieben:Es ging mir eigentlich weniger um die ernsthaften Verletzungen durch Hunde. Von einem Hund krankenhausreif gebissen zu werden, ist doch wohl eher die Ausnahme. Die Hundebegegnungen sehen eher so aus:

Genau das ist das Problem. Wenn ein Hund schlecht erzogen ist und andere Leute belästigt, gehört er an die Leine.


Das Problem sieht von Seiten der Hundehalter aber leider so aus, dass manche Menschen sich allein dadurch belästigt fühlen, dass ein Hund ohne Leine laufen darf...
Ich sehe nicht ein, warum ich meine Gastcachehunde bei jeder Begegnung mit Menschen anleinen sollte. Wenn kleine Kinder, alte Menschen (die vielleicht nicht mehr so gut zu Fuß sind), Radfahrer oder Jogger kommen, rufe ich die Hunde bei Fuß (hören tun sie), prophylaktisch, damit sie niemanden vor die Füße laufen, ggfs. leine ich sie auch an.
Bei erwachsenen, gesund erscheinenden Menschen nicht. Es sei denn, sie teilen mir mit, dass sie Angst vor Hunden haben, dann mache ich das natürlich. Damit habe ich auch kein Problem. Wenn ich die Hunde (die Fremde sowieso ignorieren, weil Stöckchen und Gerüche 1000x spannender sind) aber grundsätzlich bei jeder Begegnung mit Menschen anleinen würde, würde ich ihnen dabei vermitteln, dass bei fremden Menschen das Rudel zusammenrücken muß. Weil dann irgendwas passiert. Damit das Rudel stärker ist. Weil fremde Menschen vielleicht eine potentielle Bedrohung darstellen könnten...? Hunde fühlen sich an der Leine viel stärker, da Herrchen/Frauchen ja "hinter ihnen steht" (deshalb pöbeln kleine, angeleinte Hunde so gerne vorbeigehende Menschen/Hunde an, was ich wiederum nervig - aber nicht tragisch - finde). Hundepsychologisch ist ständiges Anleinen also nicht unbedingt sinnvoll, oder?
Natürlich toleriere ich nicht, dass Hunde, die sich in meiner Obhut befinden, fremde Menschen "anschnüffeln" oder gar bespringen. Das würde ich nicht nur unterbinden (durch Anleinen), dafür würde der Hund riesigen Ärger mit mir bekommen. Aber generell habe ich durchaus auch das Recht, die Hunde ohne Leine laufen zu lassen, sofern keine Gesetzgebung (Schonzeit, Naturschutzgebiet etc.) dagegen spricht!
Leitplankenmicros? Sinnlose Filmdosen im Wald? Frustriert? Besucht die Brigade Eisenberg in Thüringen! Hier gibt es noch Caches, für die man ZU FUSS auf Berge steigen muß.

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Beitrag von familysearch » Do 14. Sep 2006, 20:20

Hi Ilsebilse,
ich weiss, dass die Tierärzteschaft nicht dafür sein wird...
Ich hielte aber schon eine verbindliche Hundehaftpflichtversicherung für alle Hunde/Hundehalter für einen Schritt in die richtige Richtung. Wieso?
Zunächst hätte ein Gebissener keine Probleme mehr, Arztkosten etc. vom Hundehalter einzutreiben.
Auch der Hundehalter wäre bei einem Hundebissvorfall vermutlich weniger emotional beteiligt, - zahlt die Versicherung.
Wenn die Prämien nach einem Hundebissvorfall dramatisch stiegen (z.B. von 100,- auf 1000,- per anno), - wie bei der Autoversicherung -, hätten auch Halter vermutlich ein gesteigertes Interesse daran, dieses zu unter allen Umständen zu verhindern.
Ein Hundehalter, der sich vorbildlich verhält - und dessen Hund auch, braucht diesen Prämienanstieg nicht zu fürchten, - in der Regel dürfte er sowieso eine Hundehaftplicht haben...
Spricht also nichts dagegen, oder?
familysearch

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Beitrag von radioscout » Do 14. Sep 2006, 20:45

Ilsebilse hat geschrieben:Das Problem sieht von Seiten der Hundehalter aber leider so aus, dass manche Menschen sich allein dadurch belästigt fühlen, dass ein Hund ohne Leine laufen darf...
Ich sehe nicht ein, warum ich meine Gastcachehunde bei jeder Begegnung mit Menschen anleinen sollte. Wenn kleine Kinder, alte Menschen (die vielleicht nicht mehr so gut zu Fuß sind), Radfahrer oder Jogger kommen, rufe ich die Hunde bei Fuß (hören tun sie), prophylaktisch, damit sie niemanden vor die Füße laufen, ggfs. leine ich sie auch an.
Bei erwachsenen, gesund erscheinenden Menschen nicht. Es sei denn, sie teilen mir mit, dass sie Angst vor Hunden haben, dann mache ich das natürlich. Damit habe ich auch kein Problem.
...
Aber generell habe ich durchaus auch das Recht, die Hunde ohne Leine laufen zu lassen, sofern keine Gesetzgebung (Schonzeit, Naturschutzgebiet etc.) dagegen spricht!

Leute, die sich schon durch den Anblick eines Hundes gestört fühlen und nur etwas zu meckern suchen, braucht man wohl nicht weiter ernst zu nehmen.

Du hast gut erzogene Hunde und kannst (sicher auch von Berufs wegen) mit Hunden umgehen. Das "Rudel rückt zusammen"-Argument erscheint mir logisch. Daran habe ich noch nie gedacht.

Trotzdem gibt es fast keine Cachetour, bei der nicht ein schlecht erzogener Hund an mir hochspringt. Die verantwortungslosen Halter stört das natürlich überhaupt nicht.
Es ist natürlich nur ein winzig kleiner Teil, der sich so verhält, aber leider fallen diese wenigen Leute negativ auf.

Und wenn es irgendwann Gesetze gibt, die keinem Hundehalter und keinem Hund gefallen werden, dann wegen dieser winzigen Minderheit.
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Beitrag von Lakritz » Do 14. Sep 2006, 21:16

familysearch hat geschrieben:Arztkosten etc.

Nicht krankenversichert? Ein Fehler. :wink:
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marit-
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Beitrag von marit- » Do 14. Sep 2006, 21:16

arbalo: Z.B. in dem man Hunden aus dem Weg geht.
Und was ist dabei wenn man nachfragt ob es vielleicht eine bessere Methode gibt wie die die man seit Jahren verwendet?

Und wenn ich eine gute Möglichkeit kenne wie ich Hunde daran hindern kann mich anzuspringen oder mich anzusabbern ist mir das recht.
Ich habe dabei noch glück, da ich nur gegen manche Insekten allergisch bin. Meine Mutter geht kaum noch bei uns im Wald oder auf der Wiese spazieren weil sie bei dem Kontakt mit Hundespeichel sofort starke Ausschläge bekommt.

Ich muss da radioscout voll zustimmen, es ist vor allem eine Minderheit (wie meistens) mit der man Schwierigkeiten bekommt. und leider hatte ich ein paar davon bei mir in der Siedlung.
Den Hauptärger den es bei uns in der Gegend zur Zeit mit Hunden gibt ist das diese die Futterwiesen vollkoten, aber dass ist ein anderes Thema.

Ich reagiere inzwischen leider etwas empfindlich auf Halter bei denen die Hunde mit dem Herrchen gassi gehen oder wo die Halter der Ansicht sind, dass der Hund unfehlbar ist und egal was passiert alle anderen aufpassen müssen.
Uns hat vor kurzem eine Dame erklärt, dass wir schuld sind, wenn ihr Hündchen bei uns im Garten rumrennt und in den Blumenbeten wühlt. Wenn wir nicht wollen dass ein Hund der mit seinem Frauchen auf dem Weg zur Wiese ist bei uns in den Garten rennt und diesen markiert, dann sollen wir gefälligst ein Tor an die Einfahrt machen.
Und wir sind sowieso böse Menschen weil wir das arme Hundi aus unserem Garten gescheucht haben.
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Beitrag von Starglider » Do 14. Sep 2006, 22:37

familysearch hat geschrieben:Ganz übel wird es meiner Erfahrung nach, wenn man tatsächlich gebissen wurde. [...] Eine Tetanus-Auffrischung wird fällig. Früher bekam man auch den ärztlichen Rat, den Impfstatus des Hundes zu eruieren (z.B. bez. Tollwut). Dann ist man auf die Kooperation des Halters angewiesen. Meiner Erfahrung sind auch die allervernünftigsten Hundehalter dann nicht mehr zu einem einvernehmlichen Vorgehen in der Lage, der Gebissene bekommt statt einer Entschuldigung Schuldzuweisungen.

Wenn das das nächste mal passiert und der Halter sich weigert, seine Personalien anzugeben, nimm dein Handy und ruf die Polizei.
Ein Tierhalter ist grundsätzlich für alle Schäden haftbar, die durch das Tier entstehen, und zwar unabhängig vom Verschulden (Gefährdungshaftung).
familysearch hat geschrieben:p.s.: off topic: Im Urlaub durfte am Eingang zu einem Nationalpark lesen, dass die Empfehlungen bei Begegnung mit einem Puma (sic!) sich gänzlich von den allgemeinen Ratschlägen bei Hundeangriff unterscheiden.

Puma sind halt auch wilde Großkatzen, die ticken schon etwas anders als Hunde :roll:
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Beitrag von Starglider » Do 14. Sep 2006, 22:50

radioscout hat geschrieben:Trotzdem gibt es fast keine Cachetour, bei der nicht ein schlecht erzogener Hund an mir hochspringt.

Vielleicht solltest du in Zukunft nicht mehr durch die Spielwiese vom Tierheim abkürzen? :lol:
Wobei ich eine Person kenne, die tatsächlich jeder Hund zumindest beschnüffeln will. Die Frau arbeitet als Verkäuferin an einer Wursttheke...
radioscout hat geschrieben:Und wenn es irgendwann Gesetze gibt, die keinem Hundehalter und keinem Hund gefallen werden, dann wegen dieser winzigen Minderheit.

Genau das ist doch längst passiert. Liegt Aachen etwa nicht in NRW?

Das gute daran ist, dass sich das Bundesverfassungsgericht mit diesen "Gefahrenabwehr"-Verordnungen beschäftigen musste und inzwischen Statistiken über Bissvorfälle und den Erfolg von Maßnahmen wie Wesenstest etc. gemacht werden müssen.
Da kann jetzt jeder nachlesen wie wenig in Wirklichkeit passiert.
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Beitrag von radioscout » Do 14. Sep 2006, 23:00

Starglider hat geschrieben:Genau das ist doch längst passiert. Liegt Aachen etwa nicht in NRW?

Das gute daran ist, dass sich das Bundesverfassungsgericht mit diesen "Gefahrenabwehr"-Verordnungen beschäftigen musste und inzwischen Statistiken über Bissvorfälle und den Erfolg von Maßnahmen wie Wesenstest etc. gemacht werden müssen.
Da kann jetzt jeder nachlesen wie wenig in Wirklichkeit passiert.

Wirklich? Ja, ich habe davon gehört, daß etwas in der Art beschlossen werden sollte. Ist das geschehen? Ich habe es nicht weiter verfolgt.
Auch wenn das jetzt Gesetz ist: Das hat hier offensichtlich noch keiner mitbekommen.

Übrigens, kürzlich in Belgien. Wir haben im Wald nach einem Cache gesucht und hatten plötzlich einen Hund. Einen ganz lieben, der uns noch lange begleitete. Der Förster bat uns, ihn an die Leine zu nehmen, aber wir hatten natürlich keine. Er akzeptierte aber auch die Aussage, daß es nicht unser Hund ist.
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