Erdfernerkundungsdaten Vs. Sicherheit

Allgemeiner Austausch zum Thema Geocaching.

Moderator: jmsanta

thomas_st
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Beitrag von thomas_st » Mi 31. Jan 2007, 17:13

GdE-||-Striker hat geschrieben:Ich hab auch schon überlegt, ich bau mir jetzt ne Mittelstreckenrakete die über ein Google Earth Plug-In programmiert wird. Da muss man dann nur noch bei Google Earth an der richtigen Stelle rechtsklicken und Abfeuern wählen. Der Rest geht dann von alleine.

Ich stelle mir das dann so wie auf der c't Schlagseite 01/1998 gezeigt vor :shock:
Ok. von GE ist noch nichts zu sehen, das gab es aber damals - in der grauen Vorzeit - auch noch nicht.

SCNR,
Thomas(_st)

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tiefbauamt
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Minister Jung als Problemminister ?

Beitrag von tiefbauamt » Do 1. Feb 2007, 12:55

Sagenhafte Idee. Passt ganz gut in den aktuellen Überwachungs- und Kontrollwahn- unseres Staates. Dazu fällt mir ein, dass die Bundeswehr bei der Intergeo 2006 in München großformatige, hochauflösende Poster aus den X-SAR Daten verschenkt hat. Da kann dann der Schäuble den Kollegen Jung gleich einbuchten.
Im Ernst: Meiner Meinung nach geht das alles viel zu weit, aber unter dem Vorwand "Sicherheit" kann man seit 2001 so ziemlich jede Maßnahme durchbringen. Der gewöhnliche Durchschnittsdeutsche "hat ja schließlich nichts zu verbergen", also regt sich kaum Widerstand.
Ansonsten schließe ich mich der Meinung von den Schatzjägern an.
tiba

mamapapakind
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Beitrag von mamapapakind » Do 1. Feb 2007, 14:05

bsterix hat geschrieben:Ist eigentlich ein Höhenprofil aus "Erdfernerkundungsdaten" gefährlicher als eins aus einer TOPO-Karte welches evtl. aus Erdnaherkundungsdaten (d.h. Landvermessung von "Hand") erstellt wurde?


Ja, hochauflösende Daten bedeuten eine Auflösung von wenigen cm-mm, d.h. man könnte mit einem solchen System aus dem Weltall Autokennzeichen erkennen. Die TOPO-Karten der Landesvermessung haben in der Regel einen Maßstab von max. 1:2500 und damit (Kartographen werden mich gleich schlagen) eine Auflösung von etwa 25 m. Zudem sind die Karten der Landesvermessung häufig fehlerhaft (ich weiß wovon ich spreche) und z.T. veraltet. Sie sind viel zu ungenau für militärische Zwecke (sonst bräuchte man ja keine Militärkartographie).

Wer in den Gesetzentwurf reinschaut, wird folgende Auszüge finden:

"In Deutschland entstehen zurzeit sehr leistungsfähige Erdfernerkundungssatelliten mit dem Ziel einer gewerblichen weltweiten Vermarktung der Daten. Die derart entstehenden Daten haben eine Qualität, welche bis vor kurzem nur von klassifizierten militärischen Satelliten erzeugt werden konnte und daher nur innerhalb von militärischen Systemen nutzbar war."

und weiter
"Diese Prüfung wird jedoch nur erforderlich, wenn die Daten mit einem
Erdfernerkundungssystem erzeugt worden sind, das technisch in der Lage ist, die Sicherheitsinteressen der Bundesrepublik Deutschland zu gefährden. An den Betrieb solcher hochwertiger Erdfernerkundungssysteme werden Anforderungen
gestellt, die verhindern, dass diese von Unbefugten kommandiert oder Daten von Unbefugten eingesehen werden können. Hierzu muss der Betrieb des Erdfernerkundungssystems genehmigt und beaufsichtigt werden."

Damit sind auch nicht die Bilder von goole gemeint. Dies sind im übrigen Luftbilder (aus dem Flugzeug gemacht) und keine Satelitenbilder und haben einen Maßstab von auch ca. 1:25000.

Ich bin schon seit Jahren im DDGI, dem Deutschen Dachverband für Geoinformation. Natürlich schränkt dieses Gesetz die schon lange geforderte Öffnung des Geodatenmarktes ein, aber ich muss auch sagen, dass ich finde, dass diese Erdfernerkundungsdaten auch meinen Privatbereich gefährden. Also ich brauche es nicht gerade, wie jemand durch unser Dachfenster schaut und entsprechende Bilder weiter verkauft :-).


PS: Zum Thema Verschenken der Bilder der Bundeswehr auf der Intergeo: Das waren garantiert keine militärisch kritischen Aufnahmen.

Gruß
Carmen
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Beitrag von pom » Do 1. Feb 2007, 15:25

mamapapakind hat geschrieben:
Also ich brauche es nicht gerade, wie jemand durch unser Dachfenster schaut und entsprechende Bilder weiter verkauft :-).

Tauschen wär aber ok? :wink:
Geht Ihr ruhig weiter Schnitzel jagen oder Schätze suchen!
Ich gehe derweil cachen.

geometer42
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Beitrag von geometer42 » Do 1. Feb 2007, 15:56

mamapapakind hat geschrieben:Die TOPO-Karten der Landesvermessung haben in der Regel einen Maßstab von max. 1:2500 und damit (Kartographen werden mich gleich schlagen) eine Auflösung von etwa 25 m.
Du meinst wohl 1:25000. Bei der üblichen Kartiergenauigkeit von 0.2 mm erreichst du eine Auflösung von 5m.
mamapapakind hat geschrieben:Damit sind auch nicht die Bilder von goole gemeint. Dies sind im übrigen Luftbilder (aus dem Flugzeug gemacht) und keine Satelitenbilder und haben einen Maßstab von auch ca. 1:25000.
Inzwischen ist wirklich fast die gesamte Fläche von Deutschland durch Liftbildaufnahmen (GeoContent usw.) abgedeckt. Bei einer Auflösung im dm-Bereich (z.B. in den Großstädten) muss der Maßstab der Bilder aber viel größer sein.
mamapapakind hat geschrieben:... dass diese Erdfernerkundungsdaten auch meinen Privatbereich gefährden. Also ich brauche es nicht gerade, wie jemand durch unser Dachfenster schaut und entsprechende Bilder weiter verkauft :-).
Das Gesetz betrifft die "Sicherheitsinteressen der Bundesrepublik Deutschland". Ich sehe da keinen Zusammenhang mit deinem Dachfenster. :-) (In dem zitierten Text ist jedenfalls keine Rede vom Schutz der Privatsphäre).

TeamAstelix
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Beitrag von TeamAstelix » Do 1. Feb 2007, 16:07

geometer42 hat geschrieben:... Ich sehe da keinen Zusammenhang mit deinem Dachfenster. :-)

Vieleicht benutzt er es als Luke einer Raketen- oder Knödelabschußrampe? :oops:

geometer42 hat geschrieben:(In dem zitierten Text ist jedenfalls keine Rede vom Schutz der Privatsphäre).
Schutz der Privatsphäre? War das in den vergangenen Jahren irgendwie relevant für unseren Staat? Es ist ein _unbekanntes_ Fremdwort für die europäischen, und in vorderster Front die deutschen Politiker! :evil:
"Extra Bavariam non est Vita, et si est Vita, non est ita."
- Johannes Turmair (1477 - 1534) -

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Beitrag von shia » Do 1. Feb 2007, 18:58

TeamAstelix hat geschrieben:Es ist ein _unbekanntes_ Fremdwort für die europäischen, und in vorderster Front die deutschen Politiker! :evil:


Täuscht euch nicht. Die Britpop ist jetzt, wenn man sich die eigenen Bürger nackich macht :shock:
Dagegen geht's bei uns ja noch zivil zu...
Gruß,
shia

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Beitrag von Xellos » Do 1. Feb 2007, 19:55

shia hat geschrieben:
TeamAstelix hat geschrieben:Es ist ein _unbekanntes_ Fremdwort für die europäischen, und in vorderster Front die deutschen Politiker! :evil:

Täuscht euch nicht. ...
Dagegen geht's bei uns ja noch zivil zu...


Du sagst es: noch

Daß man hier die Bomben "wegen handwerklicher Fehler" noch nicht hochgehen läßt, um Maßnahmen zu begründen, heißt noch lange nicht, daß diese nicht schlußendlich angestrebt werden.

Gruß, Xellos
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eigengott
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Beitrag von eigengott » Mo 5. Feb 2007, 00:53

Bildzensur bei Google-Maps gibt es übrigens schon längst, ganz ohne deutsche Beteiligung.

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,15 ... 86,00.html

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