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Statistikpunkte und der Erwartungsdruck

Allgemeiner Austausch zum Thema Geocaching.

Moderator: jmsanta

JoergKS(eh.DWJ_Bund)
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Statistikpunkte und der Erwartungsdruck

Beitrag von JoergKS(eh.DWJ_Bund) » Mo 9. Jun 2014, 12:02

Hab grad einen lesenswerten Artikel bei Telepolis gelesen.

Es ging um das Hobby Segelfliegen, die Nutzung von elektronischen Hilfen (wie GPS etc.), was passiert, wenn mal die komfortable Navigationselektronik ausfällt und man die Basiskompetenzen der Karte/Kompass-Navigation reaktivieren muss.

Eine Passage war aber besonders interessant zu "zwanghaften" Sammeln von Statistikpunkten mancher Piloten bzw. deren Luftsportvereine.
...
Für viele Flieger ist diese Praxis jedoch inzwischen Alltag. Mittlerweile gibt es die erste "Generation" Segelflieger, die es gar nicht mehr anders kennt. Nach der sog. "Shifting Baselines"-Theorie lässt sich die Veränderung des Referenzrahmens der Segelflieger erklären. An einem ganz normalen Wochenende lässt sich ebendies praktisch beobachten: Wer fliegt, fliegt immer häufiger, um OLC-Punkte für sich oder seinen Verein zu sammeln.

Daten werden normativ

Und wieder zeigt sich, dass Daten eben niemals nur deskriptiv sind, sondern normativ werden. Sie erzeugen Erwartungen. Als ich mir nach einem Umzug einen neuen Verein suchte, lehnte man mich an einem Flugplatz ab, weil ich mich weigerte, regelmäßig am OLC-Wettbewerb teilzunehmen. Ein Vereinsmitglied, das abends nach der Landung seine Daten für die "Bundesliga" nicht abliefert, wurde als komplett wertlos betrachtet. Inzwischen gibt es so viele unterschiedliche Bewertungsmöglichkeiten, dass Piloten immer öfter bei strategischen Entscheidungen während des Fliegens überfordert werden.
...
(Hervorhebung durch mich)

Als ob das schöne Hobby Segelfliegen - auch ohne Statistikpunkte - nicht allein etwas wertvolles darstellen würde...

Warum bloß musste ich da spontan an so manche/n "punkte hinterher hechelnden" Geocacher/in
denken? :???:

LG
Jörg

Quelle: http://www.heise.de/tp/artikel/41/41956/1.html
Wer einen Schreibfehler findet, darf ihn behalten.

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Re: Statistikpunkte und der Erwartungsdruck

Beitrag von moenk » Mo 9. Jun 2014, 12:26

So macht man das eben wenn man die Spieler oder Sportler bei der Stange halten will. Auch bei Ingress werden die Spieler mit neuen Badges und Challenges wieder teilweise bis zur völligen Freizeitaufgabe zum weiterspielen motiviert. Der soziale Druck ist da mitzugehen, um von der Gruppe nicht ausgeschlossen zu werden. Da sind wir beim Geocaching noch vergleichsweise gut dran weil es hier keine vergleichenden Gruppen gibt - und weil tot, ist die Prognose gut dass das auch so bleibt.
Bild Denkst Du noch selber oder bist Du schon Schwarm?

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Re: Statistikpunkte und der Erwartungsdruck

Beitrag von RSKBerlin » Mo 9. Jun 2014, 14:58

Ja, soziale Normen sind etwas Feines. Der irreführende Gebrauch von Fremdwörtern auch. Normativ hat mit zwanghaft nichts zu tun.

Was die Jagd nach Statistikpunkten angeht, erinnert mich das immer ein wenig an Kleinkinder, die sich darüber streiten, wer das beste Superheldenkostüm hat. Aber jeder blamiert sich eben so gut, wie er kann.

Meine Frau hat einen Cache mit einer in Berlin (und wohl überhaupt) sehr seltenen D/T-Wertung gelegt. Ein Rätselcache, der nichts mit Natur- oder Geheimwissenschaften zu tun hat, noch mit Computerkenntnissen oder ähnlichen Dingen, die einem Mystery-Jäger das Leben vergällen. Man muss nur einmal etwas Phantasie aufbringen und sich das Listing richtig ansehen, dann ist man noch zwei Mausklicks von der Lösung entfernt. Was das mit dem Thema zu tun hat? Nun ja, die Logs zerfallen in drei Gruppen:
  • Gruppe 1 kennt das Rätsel, ist in einer Minute durch, und hat Spaß beim Outdoor-Teil.
  • Gruppe 2 hat das Rätsel selbst gelöst, etwas Neues gelernt, sich köstlich amüsiert und Spaß gehabt.
  • Gruppe 3? Ich zitiere mal aus den jüngsten Logbucheinträgen: "Vorm nahen Seifenblasenevent ging es mit [anderer Statistikjäger] hierher. Kaum am suchen, betraten 3 andere Cacher/innen die Location, beste Grüße nach [Irgendwo in der Ostzone]!"
Es sind Momente wie dieser, in denen ich mir denke: "Warum nur schütten alle ihre Häme über Statistikcachern aus? Warum jemanden treten, der bereits am Boden liegt?" Denn anders als gewisse andere Miseries hätte dieser hier wirklich Spaß machen können. Man lernt wirklich etwas dabei. Aber so ist es halt nur ein Statistikpunkt mit einer seltenen D/T-Wertung mehr.

Ist das alles ganz schrecklich? Sind wir umzingelt von Menschen mit Zwangsneurosen? Ist Geocaching tot? Grober Unfug! Jeder möge doch bitte nach seiner Façon glücklich werden. Mir selbst wurde letztens mitgeteilt, man könne mein Problem mit meinen GSAK-Statistiken erst einmal nicht lösen, weil noch niemand bisher so umfangreiche Statistiken erstellt hat. Bin ich ein Zwangsneurotiker? Wie alle Zwangsneurotiker bestreite ich das aufs Entschiedenste. Ich pflege die für mich. Wer sich den Tort antut und zwei Minuten wartet, bis unser Profil geladen wird, hat eine andere Art von Zwangsneurose. Eine mit Superheldenkostümen.

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Re: Statistikpunkte und der Erwartungsdruck

Beitrag von MadCatERZ » Mo 9. Jun 2014, 16:03

Da muss man differenzieren zwischen selbst aufgebautem und gruppeninduziertem Druck.
Beim Cachen gibt es eine kleine Gruppe, die andere Cacher wirklich nach Funden, Matrizen, Souvenirs, erhaltenen Favs oder sonstwas meßbarem beurteilen, das ist nun wirklich kein Gruppendruck für diejenigen, die ihre Statistik pflegen(oder auch nicht)

Bei Ingress ist es schon anders, wenn man für die Fraktion irgendwelche Aktionen durchzieht, für / auf die man eigentlich keine Zeit / Lust hat. Andererseits bietet das Punktesystem durchaus Anreize dahingehend, dass die Spielfigur mächtiger wird, auch wenn die Effekte jenseits von Level 8 eher vernachlässigbar sind, dann geht's wieder nur darum, den höheren Level zu bekommen. Man kann sich dem auch verweigern und einfach so spielen, da werden nur wie beim Cachen wenige Mitspieler wirklich böse reagieren, Hacken, Bürsten und Co. kann man ja nach wie vor.
Nur ist Ingress ein Teamspiel. Wer wenig spielt, kriegt keinen Ärger, wird aber auch wenig Unterstützung in Form von Upgrades und Items erhalten.

Wenn eine Verweigerung allerdings zum Ausschluss führt und man deswegen nicht den Fluplatz benutzen darf, ist das schon bedenklich.

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Re: Statistikpunkte und der Erwartungsdruck

Beitrag von Marschkompasszahl » Mo 9. Jun 2014, 16:22

Als ich mir nach einem Umzug einen neuen Verein suchte, lehnte man mich an einem Flugplatz ab, weil ich mich weigerte, regelmäßig am OLC-Wettbewerb teilzunehmen. Ein Vereinsmitglied, das abends nach der Landung seine Daten für die "Bundesliga" nicht abliefert, wurde als komplett wertlos betrachtet.
Tja, das ist schon echt verrückt. Aber in vielen Vereinen durchaus üblich. Gerade da wo Leistungssport betrieben (oder vielmehr imitiert wird), passiert genau das. Ob Leichtathletik-Gemeinschaft oder Schwimmverein... das ist eben nicht wie die Altherren-Reige, die sich Sonntag morgens zum kicken trifft. Nee, da steht dann immer einer mit der Stoppuhr und Tabelle neben einem. Darauf habe ich keinen Bock.
Auch ein Grund, warum ich Geocaching für mich gewählt habe: weil ich mein eigener Herr bin.
Ich kann heute losziehen und 250 Dosen eines Powertrails abgrasen; mich tagelang an D5-Mysteries rumärgern; beim Besuch von Wald, Stadt und Lost Place tolle Dinge sehen und erleben;... ich kann auch ganz "nebenbei" mal eine Dose heben und ein Vierteljahr gar nix machen. All das ist meine persönliche Entscheidung und das ist auch gut so!
Aber es gibt sie natürlich, die Cacher, die durch eigene Zwänge oder von außen sich genötigt sehen, so oft und so viele Caches wie möglich zu machen. Das gilt für Ingress und andere Varianten (wie auch sonstige Hobbys) ähnlich.

Nicht auszudenken, wie die Leute drauf wären, wenn Geocaching eines Tages auch noch olypmisch wäre...

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Re: Statistikpunkte und der Erwartungsdruck

Beitrag von MadCatERZ » Mo 9. Jun 2014, 16:56

Marschkompasszahl hat geschrieben:

Nicht auszudenken, wie die Leute drauf wären, wenn Geocaching eines Tages auch noch olypmisch wäre...
Na wie schon: FTF 1/2 Sekunde nach Publish, "Log folgt"

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Re: Statistikpunkte und der Erwartungsdruck

Beitrag von Georg_89 » Mo 9. Jun 2014, 17:16

Mich hat ein Cacher, den ich bei einem Rätsel Cache getroffen habe gefragt. Ob ich weiß das,dass ein Rätsel Cache ist. Und ob ich Anfänger wäre da ich nur um die 400 Funde habe innerhalb zwei Jahre habe. Ja ich habe das Rätsel selber gelöst...
Er hat jetzt 3.000 Funde und auch im gleichen Zeitraum angefangen wie ich.

Ich habe nicht zu viel Zeit für das Cachen zu gehen, die Verpflichtungen im Alltag. Er würde ja Täglich Cachen. Warum meinen manche Leute nur die Punkte sind wichtig. Außerdem soll das Hobby ja spaß machen und zur Entspannung dienen.

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Re: Statistikpunkte und der Erwartungsdruck

Beitrag von RSKBerlin » Mo 9. Jun 2014, 17:43

Georg_89 hat geschrieben:Er würde ja Täglich Cachen. Warum meinen manche Leute nur die Punkte sind wichtig. Außerdem soll das Hobby ja spaß machen und zur Entspannung dienen.
Wie ich schon sagte: "Jede Jeck ist anders". Wir waren letztens auf einer größeren Wartungsrunde bei einigen recht beliebten LP-Caches. Dort trafen wir auf ca. 30 Cacher. Darunter eine Familie(?) mit ihren kleinen Kindern auf dem Weg zum (wartungsintensiven) Finale. Es entspann sich folgender Dialog:

Wir: "Hallo! Schön, dass Ihr hier seid. Wo genau wollt Ihr denn hin?"

Sie: "Äh ja, naja, Finale und so..."

Wir: "Schon klar. Ist denn das [ebenfalls wartungsintensive] Vorfinal in Ordnung?"

Sie: [irgendwas, was eineindeutig darauf schließen ließ, dass sie nicht am Vorfinale gewesen waren]

Wir: "Naja, dann geht mal besser nochmal zum Vorfinale, sonst verderben wir Euch den Spaß. Weil wir hier jetzt eine Final-Wartung vornehmen und Euch den Spaß verderben."

Im Log stand dann etwas von Cachepolizei. Vermutlich, weil wir keine Energy-Drinks oder Lanyards mit unseren "Owner"- Namen dabei hatten.

Was soll man also dazu sagen? Außer, dass Caches dazu gelegt werden, damit sie gefunden werden. Und dass sich jeder Statistikjäger um den beabsichtigten Spaß bringt.

Aber das ist doch in Ordnung, oder? Wer nur den Punkt (oder das Banner) will, erhält halt genau das. Geocacher haben trotzdem ihren Spaß. Wo ist das Problem?

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Re: Statistikpunkte und der Erwartungsdruck

Beitrag von hustelinchen » Mo 9. Jun 2014, 17:43

Georg_89 hat geschrieben:Mich hat ein Cacher, den ich bei einem Rätsel Cache getroffen habe gefragt. Ob ich weiß das,dass ein Rätsel Cache ist.
Was für ne Frage :D :D :D
Herzliche Grüße
Michaela

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Re: Statistikpunkte und der Erwartungsdruck

Beitrag von MadCatERZ » Mo 9. Jun 2014, 18:07

RSKBerlin hat geschrieben: (...)
Im Log stand dann etwas von Cachepolizei. Vermutlich, weil wir keine Energy-Drinks oder Lanyards mit unseren "Owner"- Namen dabei hatten.
Das ist ja noch eine andere Baustelle, die Sparte der Berufsgeocacher mit Merchandiseartikeln
RSKBerlin hat geschrieben: Was soll man also dazu sagen? Außer, dass Caches dazu gelegt werden, damit sie gefunden werden. Und dass sich jeder Statistikjäger um den beabsichtigten Spaß bringt.
Es ist legitim, um Hilfe zu bitten, wenn man nicht weiterkommt, eine Stage zu erknobeln(zB anhand der Formel oder durch Studium der Logs(*), aber aus reiner Faulheit gleich das Final abzugreifen, dann kann ich auch gleich online Loggen ohne aufzustehen.
Gut, jeder wie er mag, aber toll finden muss ich das nicht, und wo da der Spass bleibt, erschließt sich mir nicht.

(*) und das kann durchaus weit mehr Mühe machen als den Cache regulär zu absolvieren, wenn man bspw. 5 plausible Koordinaten in Wegesnähe erhält oder das gesamte Wegenetz abwandert.

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