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Umlaufendes Seil - Wie geht das?

Terrain 5 vom Abseilen bis zum Tauchen

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cyberberry
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Umlaufendes Seil - Wie geht das?

Beitrag von cyberberry » Mo 6. Jul 2009, 15:52

Je länger ich mich mit der Materie "Blaumklettern" auseinandersetze um so häufiger stolpere ich über "Aufstieg am umlaufenden Seil" (Doppelseiltechnik - DdRT).
Diese Technik scheint speziell für das Baumklettern entwickelt und wirft Fragen auf.

- Wie genau geht (funktioniert) das?
- Welche Gerätschaften benötigt man?
- Wird da nicht der Baum "beschädigt"?
- Welche Vor- und Nachteile (im Vergleich zur SRT) hat das?
- Unter welchen Umständen sollte/kann man das einsetzen?
- Gibt es konkrete Caches, die nur mit dieser Technik machbar sind?

Vielleicht kann mich mal jemand ausführlich und in verständlicher Sprache aufklären?

Ich, bzw. wir, sind bei den duzenden von Bäumen bislang auch so problemlos hoch gekommen, aber ich lerne gerne dazu und würde das ganze nur unter Anleitung real testen!

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Stramon
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Re: Umlaufendes Seil - Wie geht das?

Beitrag von Stramon » Mo 6. Jul 2009, 16:17

Hi,
ich versuche das mal zu beschreiben.
(Bitte nicht einfach so nachmachen sondern unbedingt zeigen lassen!)
Dafür braucht man ein ca.20 Meter langes Seil, am besten ein Baumkletterseil, zwei Karabiner und zwei Prusick Schnüre.
In das Baumkletterseil kommt an jedem Ende ein Achterknoten.
Die Prusick Schnüre werden mit jeweils zwei Spierenstichen an einen der Karabiener befestigt, so das an beiden Karabinern eine "Prusickschlaufe" ist.
jetzt werden die Prusick Schnüre jeweils ca. 4 meter von den Baumkletterseilenden mittels Prusickknoten eingebunden und die Karabiner am Gurtzeug eingehängt.
So hängt das ganze beim Aufstieg am Aufstiegsseil am Kletterer.

Anwendung:
Ich lege oder werfe ein Ende des Baumkletterseiles um einen höher gelegenen Ast und klinke den Achterknoten in den selben Karabiner an dem auch die Prusickschnur dieses Seilendes ist ein. Nun kann ich das Ganze spannen und bin gesichert, b.z.w. kann beim weiterklettern diese Schlaufe verkürzen.
Wenn ich dann am Anschlagspunkt angekommen bin, wiederhole ich das Ganze mit dem anderen Ende des Baumkletterseiles u.s.w....
Mit dieser Technik kann man sich auch wunderbar abseilen, was bei längeren Strecken, so ab 4-5Metern aber sichtbar dem Baum schadet.
Deshalb lege ich auch da, genau wie beim Aufstieg alle paar Meter eine neue Schlaufe.

Hoffe ich konnte das so einigermaßen erklären.

Liebe Grüße von Stramon
BildBild
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SabrinaM
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Re: Umlaufendes Seil - Wie geht das?

Beitrag von SabrinaM » Mo 6. Jul 2009, 16:45

Stramon beschreibt den weiteren Aufstieg wenn man schon per SRT oben im Baum aufgestiegen ist. Will man die ersten 10 oder 20 Meter per umlaufendem Seil hoch, braucht man vor allem einen Kambiumschoner. Ein Ende des Seils bindest Du Dir in die Anseilschlaufe des Gurtes, das andere Ende bleibt lose. Dann einen Klemmknoten in das lose Ende des Seils binden und ebenfalls in die Anseilschlaufe. Und nun mit Footlock-Technik oder wie auch immer hoch ;) Habs selber noch nie gemacht, aber wer es drauf hat kommt damit schnell hoch.

J3004
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Re: Umlaufendes Seil - Wie geht das?

Beitrag von J3004 » Mo 6. Jul 2009, 16:49

Das umlaufende Seil wird bei der Baumpflege eingesetzt, für das reine aufsteigen eigentlich unnötig.
Normalerweise geht der Baumpfleger am stehenden Seil hoch und baut oben das umlaufende Seil ein.

Wenn man viel rauf und runter muss, geht das mit dem umlaufenden Seil wesentlich genauer.

Damit man mit dem umlaufenden Seil den Baum nicht schädigt wird ein Kambiumschoner eingesetzt - Thorsten Sadewasser hat etliches dazu auf seiner Homepage geschrieben: http://www.vesab.de/skt_ein/skt.html

hier auch noch was dazu: http://www.baumundforst.de/wieseilinbaum.htm

cyberberry
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Re: Umlaufendes Seil - Wie geht das?

Beitrag von cyberberry » Mo 6. Jul 2009, 16:54

Ich bin immer davon ausgegangen, es handelt sich dabei um eine Aufstiegsart, also vom Boden in den Baum. Aber so wie du das beschreibst, ist das quasi zum Weiterklettern IM Baum, sollte das Seil nicht über der Dose eingebaut sein. Richtig?

Diesen Fall hatten wir bislang nur sehr selten und dann konnte ich mit Bandschlingen gesichert weiter nach oben oder habe im Baum gesichert via Wurfschnur/-sack eine höhere Position für das Aufstiegsseil verwirklicht.

Eine richtige Vorstellung, wie das Ganze funktioniert habe ich trotz deiner Erklärung nicht. Das muss ich gesehen haben.

Gibt es denn in Zeiten von Handycams und YouTube davon keine Bilder, bzw. Videos? Für so begriffstutzige Auf-dem-Schlauch-steher wie mich? :D

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Re: Umlaufendes Seil - Wie geht das?

Beitrag von cyberberry » Mo 6. Jul 2009, 16:57

Klasse Link, jetzt hab ich endlich begriffen wie ein Kambiumschoner in den Baum kommt! Auch das wurde mir bislang nur theoretisch erklärt und gesehen hab ich so ein Teil bislang auch noch nie.

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Re: Umlaufendes Seil - Wie geht das?

Beitrag von cyberberry » Mo 6. Jul 2009, 17:02

Ich nehme mal an, dieses Bild zeigt genau was Stramon beschrieben hat?
Bild

Nur das es sich hierbei um ein Baumkletterseil mit gespleißten Enden handelt? Man "spart" die Achterknoten.

SabrinaM
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Re: Umlaufendes Seil - Wie geht das?

Beitrag von SabrinaM » Mo 6. Jul 2009, 17:08

Genau. Die Schlaufe kommt um einen höheren Ast und Du kannst ein Stück weiter hochsteigen (da wo Du sonst an Bandschlingen gesichert bist). Das Seil kannst Du so durch den Prusik immer straff halten und bist immer optimal gesichert. Und durch die gleiche Konstruktion am anderen Ende kannst Du, wenn Du am Anschlag angekommen bist, das gleiche System eine Etage höher einbauen, bevor Du Dich aus der aktuellen Sicherung ausklinkst.

Such mal nach "Kurzsicherung", vielleicht bringt das mehr Ergebnisse, ist im Prinzip das selbe.

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Re: Umlaufendes Seil - Wie geht das?

Beitrag von J3004 » Mo 6. Jul 2009, 17:23

Die Technik ist vorallem dann wichtig, wenn man große Bäume mit ausladenden Kronen hat. Dort baut man dann möglichst hoch den Kambiumschoner ein und das umlaufende Seil. Den Klemmknoten/Prusiklift/Lockjack/Spiderjack etc. kann man mit einer Hand gut dosieren und so angenehm weit rausgehen/springen.

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Re: Umlaufendes Seil - Wie geht das?

Beitrag von pdaether » Mo 6. Jul 2009, 23:13

Dann will ich auch mal eine ergänzende Erklärung wagen, wobei ich gleich anmerken muss, dass ich da kein Profi bin und auch keinen SKT-A-Schein habe. :ops:
Also wenn jemand Verbesserungsvorschläge für mein Setup hat, immer her damit. ;)

Hier mal der Aufbau, den ich am meisten verwende:
1.jpg
1.jpg (61.09 KiB) 10011 mal betrachtet
Also in einem Karabiner das eine Ende vom Seil fest verknotet und das lange, runterlaufenden Ende mit einer Prusikschlinge (hier mit Distel-Knoten) festgemacht.
Die zusätzliche Rolle sorgt dafür, dass man einfach mit einer Hand das lose Ende des Seils nachziehen kann, um den Klemmknoten nach oben zu schieben.

Je nachdem verwende ich für den Aufstieg entweder ein klassisches Einfachseil und bau oben um, oder steige bei kleineren Höhen direkt am Doppelseil auf.

Hier noch ein leicht abgeändertes Setup, was ich dann verwende, wenn ich auch am Doppelseil hochsteige:
3.jpg
3.jpg (60.33 KiB) 10016 mal betrachtet
Hier ist die Rolle mit einer Reepschnur am runterkommenden Seil befestigt.
Wenn man nun aufsteigt und das lose Ende des Seils runterzieht, geht das andere Ende logischerweise nach oben und zieht mit der Rolle den Klemmknoten automatisch nach.
Auf diese Weise muss man beim Hochsteigen den Knoten nicht manuell verschieben.
Geht zwar auch mit dem ersten Setup, aber da ist zuviel Spiel zwischen Klemmknoten und Rolle, so dass der Aufstieg völlig ineffizient wäre.

Der riesen Vorteil in dem System liegt darin, dass man hier eine Einbindtechnik hat, die man leicht mit einer Hand in beide Richtungen verschieben kann und trotzdem zuverlässig hält.
Steigklemmen, Achter etc. gehen nur ein eine Richtung und die ganzen Halbautomaten sind mit einer Hand, zumindest was das nachgeben von Seil angeht, auch nicht das gelbe vom Ei.
Durch diese einfache Bedienung mit einer Hand kann man die Seillänge richtig gut einstellen.
Wenn man nur zu einer Dose will und das Seil direkt daneben von unten einbauen kann, bringt diese Technik sicherlich keine Vorteile gegenüber der SRT, aber wenn man im Baum auch mal einen Ast entlang will oder auch mal hin und her muss, ist das auf jeden Fall angenehmer.
Hier mal ein Gang auf einem Ast, zum Nachlassen von Seil reicht es wirklich einen Finger auf den Klemmknoten zu legen (da sollte man sich beim Abseilen unbedingt daran gewöhnen :D ):
2.jpg
Limbwalk
2.jpg (72.81 KiB) 10016 mal betrachtet
Zweiter Vorteil liegt darin, dass man so mit einem relativ kurzem Seil praktisch :roll: jede Höhe im Baum erreichen kann, wenn man das Seil immer weiter höher einbaut (Wurfsack mitnehmen ;) ).
Bei einem statisch eingebauten Seil ist dann irgendwann Schluss - mit 50 Meter Seil bei unter 25 Metern Höhe.

Und um kompakt Deine Fragen von oben zu brantworten:

- Wie genau geht (funktioniert) das?
Der Grundgedanke sollte in dem Thread rübergekommen sein, aber live sehen hilft da viel.

- Welche Gerätschaften benötigt man?
Ganz minimalistisch nur einen Karabiner und ein Seil. In diesem Fall beim Einbinden des einen Endes vom Seil genug übrig lassen, was dann z.B. mit dem Blake-Knoten in das lose Ende eingebunden wird (ersetzt die Prusikschlinge). Weniger geht nicht. :D

- Wird da nicht der Baum "beschädigt"?
Da das Seil hier im Gegensatz zur SRT immer in Bewegung ist, auf jeden Fall einen Kambiumschoner einsetzen, dann liebt Dich auch der Baum. ;)

- Welche Vor- und Nachteile (im Vergleich zur SRT) hat das?
Wenn man sich im Baum auch bewegt, geht's irgendwie flüssiger von der Hand, vom geringen Materialaufwand mal abgesehen.
Und wie gesagt, ein realtiv kurzes Seil reicht idR., da da man das immer wieder komplett weiter oben einbauen kann.

- Unter welchen Umständen sollte/kann man das einsetzen?
Wie gesagt bei mehr hin und her im Baum, also nicht nur senkrecht zur Dose und zurück sicherlich nicht verkehrt.

- Gibt es konkrete Caches, die nur mit dieser Technik machbar sind?
Mhh, ich kenne keinen, was jedoch nicht viel heißen soll. ;)
Aber es gibt sicherlich einige, bei denen diese Technik Vorteile hat.
Stage 4 vom seidenen Faden z.B.? Ich weiß ja nicht wie ihr da vorgegangen seid, aber das ist ja ein schönes Beispiel für einen Baum, bei dem man nicht nur einfach zur Dose muss und wo man das Seil von unten nicht weit genug einbauen kann (also ich ohne Bigshot zumindest).
Genau genommen war die Stage die Ursache dafür, dass ich mich nicht wie bis dahin so nebenbei mal mit der Technik befasst habe, sondern richtig intensiv so geklettert bin.
Tja, mittlerweile macht mir das einfach richtig Laune, was ja auch die Hauptsache sein sollte und dieser gewisse Minimalismus gefällt mir auch.

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