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Das Aus von "Die Stadt im Wald"

Lost places wie Industrieruinen und alte Bunker

Moderator: nightjar

VolcanoJoe
Geocacher
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Re: Das Aus von "Die Stadt im Wald"

Beitrag von VolcanoJoe » Mo 28. Mai 2012, 12:50

Hallo,
Crazy Cat Guy hat geschrieben:
VolcanoJoe hat geschrieben: Wenn meine Eltern immer jemanden erfolgreich verklagt hätten, wenn ich als Kind einen kleinen Unfall hatte, wäre ich heute ein reicher Mann.
Ich denke, es geht nicht darum, ob Du oder Deine Eltern Klage einreichen. Nehmen wir mal als Beispiel, ich stürze bei der Station im Theater ab weil ich nicht aufgepasst habe und auf ein morsches Brett getreten bin. Das sind so ca. 6-8 m, mehr oder weniger. Mit extrem viel Glück verstauche ich mir den Knöchel, wenn ich unglücklich falle und es überlebe (was für eine Folgeklage eher ungünstig ist) kommt ein Leben im Rollstuhl dabei raus. Selbst wenn ICH jetzt sage: dumm gelaufen, schön war es trotzdem, dann muss ich jetzt eben vermehrt auf die Attribute achten, das Leben geht weiter, spätestens meine Unfallversicherung wird klagen um sich das Geld wieder reinzuholen. Falls die Klage durchkommt und Du die Kosten nicht wegen grober Fahrlässigkeit (in Kombination mit Hausfriedensbruch) selber tragen musst, zahlen wieder alle weil ein Bundesland nicht versichert ist.

Na gut, ich mache solche Sachen trotzdem :D
und genau diese Zusammenhänge treiben mir immer wieder die Zornesröte ins Gesicht:
Erstens haben die Juristen die Verhältnismäßigkeiten völlig verschoben. Mit einem morschen Brett in einem verlassenen Haus sollte man rechnen, es ist nicht richtig, daß man dafür den Besitzer verantwortlich macht - er zwingt schließlich niemanden, das Gebäude zu betreten. Daß er nun, im Gegenteil, jemand daran zu hindern hat, ist das, was aus dem Ruder läuft. Anders sieht es natürlich aus, wenn es sich um ein Giftmülllager handelt. Aber das ist eben die Sache mit der Verhältnismäßigkeit. Künftig wird man nocn mit Schildern vor Bäumen im Wald warnen müssen (Vorsicht Bäume! Sturzrisiko beim besteigen! Verletzungsrisiko beim dagegenlaufen!)
Zweitens, wenn es darum geht, daß die Unfallversicherung wie in dem Beispiel, das Land verklagt: Da steht hinter Regeln und Verboten zunehmend die Unterordnung des gesamten Lebens unter das ökonomische Prinzip, man darf als Bürger um Gottes Willen keine -vermeintlich- vermeidbaren Kosten verursachen. Die Lebensqualität wird so stückchenweise immer kleiner. Das wird dem Todschlagargument des finanziellen Gemeinwohls geopfert, und es wird vergessen, daß es auch noch so etwas wie ein in Lebensqualität gemessenes Gemeinwohl gibt. (Bezeichnend ist dabei, daß von öffentlicher Seite dabei immer das Argument kommt, die Kosten für die Gemeinschaft zu vermeiden, aber nur selten, Menschen aus Altruismus zu beschützen.). Letztere Art von Gemeinwohl bleibt zunehmend auf der Strecke.

Mit dem Beispiel daß meine Eltern niemanden verklagt haben, wollte ich deutlich machen, daß noch vor nicht all zu langer Zeit niemand überhaupt auf die Idee gekommen wäre, zu versuchen, irgendjemanden für das, was eben Lebensrisiken sind, verantwortlich zu machen. Heute muss prinzipiell hinterher ein Schuldiger gefunden werden, vornehmlich ein zahlungskräftiger welcher, und wenn die Schuldzuweisung einer noch so absurd konstruierten Kausalkette folgt. Welcome to Absurdistan!

Daß man einen Privatmann bei der geltenden Gesetzeslage trotzdem nicht in Verlegenheit bringen sollte, habe ich bereits angemerkt.

Gruß,
Volcano Joe

P.S.: Wer sich an dem Wort "Anrachie" in einem meiner Vorpostings stört, möge mal "Graswurzelrevolution" nachschlagen. Anarchie muss nicht mit Gewalt zu tun haben! Und da ist Geocaching nicht mal so weit weg davon...

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Zappo
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Re: Das Aus von "Die Stadt im Wald"

Beitrag von Zappo » Mo 28. Mai 2012, 13:52

Hey Vulkan,

da hat man aber unvermutet bei Dir eine gewisse Affinität zum Thema entdeckt :D

Klar ist, der überbordenden Verwaltungs- und Regelungsflut werden wir so schnell und über Nacht nicht Herr* , da könnte man noch unzählige Lampen umstricken http://de.wikipedia.org/wiki/Guerilla_Knitting oder Grasbomben http://de.wikipedia.org/wiki/Guerilla_Gardening legen. :D :D :D

Und die Erzwingung von Rückgabe von unrechtmäßig gesperrtem Allgemeinbesitz ist immer ein langer Weg - das kann und soll Geocaching nicht leisten - am wenigsten durch "trotzdem da Dosen werfen".

Aber Geocacher können - wie jeder andere Bürger auch - bei solchen Sperraktionen mal auf Nachweis der Legitimität und/oder Verhältnismäßigkeit und gesetzlicher Grundlage drängen, mal mit dem Gemeinderat reden. Leserbriefe schreiben, Presse aktivieren o.ä. - was einem eben so erlaubt ist, um die Jungs "da oben" mal an den Souverän zu erinnern.

Und so verstehe ich auch die Diskussion hier.

Gruß Zappo

* beruflich seh ich da kein Ende - deshalb hock ich gerade an meinem letzten Entwurf - ich hör auf - wie so viele. Jedes Jahr gesetzlich gezwungenermaßen mehr Dämmung auf unsere armen alten Häuser zu klatschen, um dann in letzter Konsequenz für die Unbewohnbarkeit der Hütte regreßpflichtig zu sein, hält mein Geldbeutel - und mein Gewissen - nicht aus.
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Re: Das Aus von "Die Stadt im Wald"

Beitrag von Team Hellspawn » Mo 28. Mai 2012, 17:35

Hm, ich habe ja an anderer Stelle schon mal hierauf:

http://www.dav-gummersbach.de/downloads ... rnatur.pdf

verlinkt. Den DAV als Vereinigung von Anarchisten zu betrachten wäre wohl weit hergeholt, was das Umgehen von unberechtigten Sperren angeht sollte man sich aber ruhig mal ab Seite 23 (Seite 29 des PDFs) einlesen, und was das hier immer wieder auftauchende Gerücht von der Verkehrssicherung angeht: auch dazu steht was interessantes drinnen. Da geht es zwar um Wald und Flur, das aber stillgelegte Steinbrüche im Prinzip betretbar sind (und man das ruhig lassen kann im Unfallfall den Besitzer zu verklagen, auch an anderen Stellen in der Natur was Versicherungen mit Sicherheit auch wissen) war mir auch neu.

Das Dokument gibt stellenweise einen guten Ratgeber für sozialverträgliches Geocachen ab, das hier werden zwar einige nicht mehr lesen sondern nur das was davor steht:
Das Betretungsrecht gilt nicht schrankenlos. Wer es in Anspruch nimmt, hat
mit Natur und Landschaft pfleglich umzugehen, hat auf die Belange des
Grundstückseigentümers und Nutzungsberechtigten (z.B. Jagdberechtigen)
Rücksicht zu nehmen und darf andere Erholungssuchende nicht mehr als nach
den Umständen unvermeidbar beeinträchtigen (sog. Gemeinverträglichkeit).
Aber auch das was davor steht gilt, die Nummer mit der Beeinträchtigung läuft immer in beide Richtungen! ^^

Den zitierten Passus find ich geil, obwohl das eigentlich unter gesunden Menschenverstand fällt. Ich denke das könnte auch unser Vulkanfreund bedenkenlos unterschreiben, oder?

Interessant sind auch die Auslassungen zu Bohrhaken und ähnlichem; wenn man sich gegen die Entfernung eines Caches wehren will gibt es da Parallelen. Die Kletterer dürfen ihr Spielzeug doch tatsächlich im Gelände lassen, da ändern sich zwar lustig die Eigentumsrechte aber die Entfernung ist trotzdem nicht statthaft! ^^

Auch bei behördlich genehmigten Sperrungen ist man in D nicht wehrlos. Ich fand das ganz interessant zu lesen.

LG
Das ist mal schön auf den Punkt gebracht :) :
Merkur hat geschrieben:Ich hingegen fahr lieber mit dem Geländewagen zum Cache und werfe dabei mit Altbatterien nach Eulenbabys....nur um die Diskussion am laufen zu halten.

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Crazy Cat Guy
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Re: Das Aus von "Die Stadt im Wald"

Beitrag von Crazy Cat Guy » Mo 28. Mai 2012, 21:32

VolcanoJoe hat geschrieben: und genau diese Zusammenhänge treiben mir immer wieder die Zornesröte ins Gesicht:
Erstens haben die Juristen die Verhältnismäßigkeiten völlig verschoben. Mit einem morschen Brett in einem verlassenen Haus sollte man rechnen, es ist nicht richtig, daß man dafür den Besitzer verantwortlich macht - er zwingt schließlich niemanden, das Gebäude zu betreten. Daß er nun, im Gegenteil, jemand daran zu hindern hat, ist das, was aus dem Ruder läuft. Anders sieht es natürlich aus, wenn es sich um ein Giftmülllager handelt. Aber das ist eben die Sache mit der Verhältnismäßigkeit. Künftig wird man nocn mit Schildern vor Bäumen im Wald warnen müssen (Vorsicht Bäume! Sturzrisiko beim besteigen! Verletzungsrisiko beim dagegenlaufen!)
Zweitens, wenn es darum geht, daß die Unfallversicherung wie in dem Beispiel, das Land verklagt: Da steht hinter Regeln und Verboten zunehmend die Unterordnung des gesamten Lebens unter das ökonomische Prinzip, man darf als Bürger um Gottes Willen keine -vermeintlich- vermeidbaren Kosten verursachen.

....

Heute muss prinzipiell hinterher ein Schuldiger gefunden werden, vornehmlich ein zahlungskräftiger welcher, und wenn die Schuldzuweisung einer noch so absurd konstruierten Kausalkette folgt. Welcome to Absurdistan!
Ich denke mal es gibt schon Unterschiede, ob es sich um einen Baum im Wald oder um eine verfallene Russenleigenschaft handelt, die langsam verfällt. Ich gehe davon aus, dass Du wenn Du ein verfallenes Haus besitzt nicht möchtest dass die Allgemeinheit dort herumklettert. Und gerade in einer alten Russenliegenschaft liegen sicherlich noch genügend ungesunde Dinge herum.

Die Versicherung versucht nur sich ihr Geld zurückzuholen, so funktionieren Versicherungen. Es lohnt sich nur wenn mehr Beiträge als Versicherungsleistungen gezahlt werden. Die Klage geht an den Eigner des Grundstückes, in diesem Fall eben das Land Brandenburg. Die Kausalkette ist imho weder absurd noch konstruiert, der Verletzte ist abgestürzt, als er in einem nicht bzw. ungenügend gesicherten, baufälligen Gebäude herumkletterte. Dazu kommt bei diesem Gelände noch die Arbeiten mit schwerem Gerät, da ist es sicherlich ganz prima, wenn dazwischen noch Privatpersonen herumsuchen. Diese Arbeiten sind von der EU finanziert, der Eigentümer wäre also dumm, wenn er es nicht machen würde.

Wie schon im letzten Post geschrieben, ich gehe die Gefahr trotzdem ein, im Wissen dass bei schlechtem Ausgang ich erstens im Rollstuhl sitze und zweitens für den Rest meines Lebens die Kosten wahrscheinlich selber tragen muss. Aber das Leben ist halt gefährlich.

In diesem Sinne, Happy Hunting
I'm not insane! My mother had me tested!

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Re: Das Aus von

Beitrag von BriToGi » Mo 28. Mai 2012, 21:52

Crazy Cat Guy hat geschrieben:
BriToGi hat geschrieben:Oh, dann kannte ich nur das alte, mit der "liegenden Tür", wo wir uns totgesucht hatten...

Und wie war dann das neue?
Das neue Final war der alte Bonus durch die runde Luke und dann oben im Luftschacht, der neue Bonus war in einem alten Öltank im gleichen Bunker.
Ah ok, dann haben wir doch die alte Runde gemacht. Vielen Dank!

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Re: Das Aus von "Die Stadt im Wald"

Beitrag von darkstain » Di 29. Mai 2012, 11:03

Ok mal wieder was zum Cache. Da manden Bonus ja nicht mehr machen kann..
Ich war damals mit meinem Bruder da, also nur zu zweit. Wir standen auf dem Öltank.. aber irgendwie sahen wir keine Chance, da wieder rauszukommen - rein wäre es noch gegangen, aber raus ?
... Die Stützen die man hätte als Tritt benutzen können waren deutlich zu weit weg von der Luke.
Wie habt ihr denn das gemacht, die, die ihr den Bonus geholt habt ? :D
Ein Nebel hat die Welt so weich zerstört.
Blutlose Bäume lösen sich in Rauch.
Und Schatten schweben, wo man Schreie hört.
Brennende Biester schwinden hin wie Hauch.

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Re: Das Aus von "Die Stadt im Wald"

Beitrag von elho » Mi 30. Mai 2012, 16:25

Crazy Cat Guy hat geschrieben:Das gesamte Gelände wird derzeit mit EU - Mitteln planiert, alles unterirdische wird zugeschüttet.
Eine Schande. :( Und was soll dann da hin kommen?

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weihnachtshasen
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Re: Das Aus von "Die Stadt im Wald"

Beitrag von weihnachtshasen » Mi 30. Mai 2012, 17:51

elho hat geschrieben:Und was soll dann da hin kommen?
Kaufland :D



Laut den Schildern wird das Gelände renaturiert, d.h. der Natur zürückgegeben... ohne Häuser und Bunker.

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Das Aus von "Die Stadt im Wald"

Beitrag von BriToGi » Mi 30. Mai 2012, 17:54

Oh ja, dafür zahle ich gerne Steuern :kopfwand:

VolcanoJoe
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Re: Das Aus von "Die Stadt im Wald"

Beitrag von VolcanoJoe » Mi 30. Mai 2012, 18:30

weihnachtshasen hat geschrieben:
elho hat geschrieben:Und was soll dann da hin kommen?


Laut den Schildern wird das Gelände renaturiert, d.h. der Natur zürückgegeben... ohne Häuser und Bunker.
Als ob die Natur sich das nicht auch von alleine holen würde...

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